• Alessia Büchel

Welcome to the US

Unsere nächste Destination ist Honduras, eines der gefährlichsten Ländern der Welt. Während man von einem Aufenthalt auf dem Festland jedem dringlichst abrät, gerade jetzt während der Pandemie, sind die Inseln anscheinend bedenkenlos zu bereisen. Michael lernte auf den Galapagos beim Tauchen ein Pärchen kennen, die auf Utila (eine der Inseln in Honduras) als Tauchlehrer arbeiten und ihm geraten haben dorthin zugehen. Doch wie man sich vorstellen kann, gibt es keinerlei Direktflüge auf diese Insel und erfordert einiges an Planung.

Da wir auf keinen Fall den Flughafen San Pedro Sula am Festland von Honduras verlassen wollten, entschieden wir von Jamaica nach Florida zu fliegen, dort zu übernachten und am nächsten Morgen weiterzureisen. Über die USA zu fliegen, meiden wir normalerweise auch so gut es geht, doch in diesem Fall war es das kleinere Übel und so machte ich mich mal auf die Suche nach einer günstigen Unterkunft in der Nähe des Flughafens in Fort Lauderdale. Mir hat es fast "den Nuggi rausgehauen" als ich die Preise sah. Schon die günstigste Unterkunft hat über 70$ gekostet. Entweder sind die Preise extrem gestiegen oder wir sind uns "normale Preise" einfach nicht mehr gewohnt. Denn in Lateinamerika und Afrika haben wir für eine Nacht meistens zwischen 20$ und 30$ bezahlt und ganz selten einmal 35$.

Doch bevor es überhaupt in die USA gehen konnte, mussten wir uns wieder einmal einem Coronatest unterziehen. In Negril suchten wir deshalb eine Arztpraxis auf, die alles andere als einen modernen Eindruck machte. Das ganze Wartezimmer war mit Plakaten aus dem vorherigen Jahrtausend tapeziert und die Dame am Empfang hatte das Arbeiten mit Sicherheit auch nicht erfunden. Ohne zu übertreiben brauchte sie zwanzig Minuten um unsere Daten in ihren Computer einzutragen. Davon abgesehen, dass sie das Zehnfingersystem in keinster Weise beherrschte und alles mit ihrem rechten Zeigefinger eintippte, sah sie trotz Brille so wahnsinnig schlecht, dass ich ihr praktische alles buchstabieren musste, obwohl unsere Pässe vor ihr lagen. Das Geburtsdatum von Michael schien sie jedoch auf dem Pass erkannt zu haben und machte sich daran es einzutippen. Glücklicherweise bewegten sich ihre Finger auf der Tastatur so langsam, dass ich rechtzeitig intervenieren konnte, als sie das Ausstellungsdatum des Passes (Juli 2020) eintrug. Ein sieben Monate altes Baby mit einer Grösse von 180cm und Bartwuchs schien ihr anscheinend nicht ungewöhnlich. Als unsere Daten dann endlich eingetragen waren, blieb uns nichts anderes übrig als zu warten und die Menschen die ein- und ausgingen zu beobachten. Draussen standen sie bereits Schlange und besonders amüsant fand ich, dass sich eine Frau mit einer Kokosnuss ins Wartezimmer setzte und anfing genüsslich rumzuschlürfen. Irgendwann waren dann wir an der Reihe. Der Arzt öffnete mit seinen weissen Gummihandschuhen die Türe, machte mit den selben Handschuhen die Stäbchen bereit, zog meine Maske runter, schrieb die Proben an, nahm Michaels Stäbchen, zog seine Maske runter und schrieb seine Proben an. Ich war mir sicher, dass diese Handschuhe bereits den ganzen Tag im Gebrauch waren und hoffte einfach, dass vor uns niemand positiv getestet wurde.

Als wir dann acht Stunden später das Resultat per Email bekamen, konnte ich es kaum glauben, dass sie es tatsächlich hinbekommen haben, mein Geburtsdatum falsch einzutragen. Obwohl ich gleich zurückschrieb und eine Änderung forderte, bekam ich keine Antwort. Da unser Flug wenige Stunden später ging und ich mir sicher war, dass die paranoiden Amerikaner mich auf keinen Fall mit einem falschen Datum auf dem Testresultat reinlassen, habe ich getan, was getan werden musste.



Der Flug und auch die Einreise in die Staaten verlief überraschend unkompliziert und so hatten wir bereits dreissig Minuten nach Landung unsere Rucksäcke auf dem Rücken. Obwohl das Hotel wahnsinnig Nah am Flughafen war, zahlten wir knapp 20$ für die Taxifahrt. Auch das Hotel verlangte neben dem, in unseren Augen übertriebenen, Übernachtungspreis zusätzliche 9$ Taxen. Jaja das Land der unbegrenzten Möglichkeiten schien für unser Budget schon recht begrenzt zu sein. Viel Zeit werden wir in den Staaten auf dieser Weltreise bestimmt nicht verbringen können. Doch wenn man schon einmal hier ist, möchte man natürlich auch einheimisch Essen und so bestellten wir bei McDonald's 40 Chicken Nuggets und Pommes. Das hatten wir uns auf jeden Fall verdient.


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