• Michael Gstöhl

Islas de la Bahia - Tauchmekka Nr. 2

Nach dem mich die Unterwasserwelt auf Galapagos wieder richtig in seinen Bann gezogen hatte, wollte ich schnellst möglich wieder abtauchen. Da kamen mir die beiden Inseln Roatan und Utila gerade recht. Direkt vor der Küste Honduras liegt das Mesoamerikanische Barrier Reef, welches nach dem Great Barrier Reef in Australien, das zweitgrösste ist. Gleich im Hotel angekommen habe ich mich sofort für den nächsten Tag eingeschrieben und war gespannt was mich erwarten würde.

Gemütlich ging es um Morgens 9:00 aufs Boot, welches direkt vor dem Hotel vor Anker lag. Neben mir war nur noch ein weiterer Taucher, unser Tauchguide und der Kapitän an Bord. Eine kleine gemütliche Gruppe, so gefällt mir das. Vor Ort bekamen wir eine kurze Anweisung über den geplanten Tauchgang und ab ging es unter Wasser.

Die Unterwasserwelt unterscheidet sich komplett von Galapagos. Die Sicht beträgt hier locker über 50m, es gibt praktisch keine Strömung und wo man nur hinschaut sieht man riesige Korallen. Der Tauchgang verlief ziemlich unspektakulär was die Tiere anging, jedoch waren die Korallen einfach fantastisch. Als wir wieder auf dem Boot waren fragte ich, wie es hier mit Haien oder anderen grossen Fischen aussieht. Der Nervenkitzel, wie in den Gewässern vor Galapagos, habe ich schon ein kleines bisschen vermisst. Der Guide meinte, dass es praktisch keine Haie mehr gibt, da diese vor ein paar Jahren von chinesischen Fischerbooten abgefischt wurden. Was für eine Schande.

Wie verwöhnt wir mit den Unterwassertieren auf Galapagos waren, stellte ich fest, als wir ein Mal mit einem amerikanischen Pärchen rausgefahren sind. Nach dem Tauchgang waren diese hin und weg ab der Schildkröte die wir gesehen hatten. Bis da hin war dies die einzige gewesen. Ich freute mich auch darüber, aber dachte mir nur, auf Galapagos hätten wir mindestens 10 dieser Tiere pro Tauchgang gesehen. Wie ihr vielleicht merkt hängen meine Gedanken immer noch sehr an Galapagos.

© Jackie Taylor


Nach 6 Tauchgängen war es für mich dann aber genug mit gemütlichem Tauchen. Ein bisschen Action musste her. Ich hatte gehört, dass man beim Roatan Marine Park (Nationalparkorganisation)eine Ausbildung zum Speerfischer absolvieren konnte. Das hörte sich erst einmal komisch an, dass ein Nationalpark so eine Ausbildung anbietet, da diese eigentlich für den Schutz der Fische verantwortlich sind, aber dies hat einen speziellen Grund. Seit wenigen Jahren breitet sich in den Riffen der invasive und giftige Feuerfisch ungebremst aus. Dieser Fisch frisst alles was sich bewegt und in sein Maul passt. Dabei hat er keine natürlichen Feinde und reproduziert sich extrem schnell. Es wird vermutet, dass die Fische erstmals in Miami von Aquarianern freigelassen wurden und sich von dort ausbreiteten. Den Fisch findet man nun von Kanada bis nach Argentinien und ist aktuell die grösste Gefahr für die Riffe in der Karibik. Aus diesem Grund bildet der Nationalpark Speerfischer aus, da diese gezielt nach diesem Fisch jagen können. Andere Fische sind tabu.

Der Kurs bestand aus einem 20 minütigem Video auf Youtube, einem halbstündigen Theorieteil und einer praktischen Prüfung unter Wasser. Hierbei musste man 5 von 5 kleinen Kokosnüssen treffen, was nach ein bisschen Übung relativ leicht war. Nach bestandener Prüfung bekamen wir unser Speerfischerschein, sowie unseren Speer überreicht. Ich konnte es kaum erwarten auf die Jagd zu gehen, also meldete ich mich gleich für die Tauchgänge am nächsten Tag an.

Der erste Tauchgang lief erfolglos. Wir waren 4 Taucher und alle hielten für mich Ausschau nach Feuerfischen, jedoch konnten wir innerhalb einer Stunde keinen einzigen finden. Bei allen vorgängigen Tauchgängen hatten wir mehrere gesehen. Ich kam relativ enttäuscht an Land zurück, da dies unser letzter Tag in Honduras war. Aber es stand ja noch ein letzter Tauchgang an.

Ich war noch keine 5 Minuten unter Wasser, als ich den ersten Feuerfisch entdeckte, der Puls stieg, ich spannte den Speer und landete einen Volltreffer. Das Abendessen war gesichert. Nach weiteren 10 Minuten entdeckte ich den nächsten und auch dieser landete in meinem Behälter. Wie ihr auf den Fotos sehen könnt, führte ich einen speziellen Behälter aus Kunststoff mit, in dem ich die Fische aufbewahrte. Dies ist absolut notwendig, da der Fisch 18 giftige Stacheln rund um den Körper besitz. Bei einem Stich würde man nicht gerade sterben, aber wie ich gehört haben seien die Schmerzen fast unerträglich.




Zurück an Land begann dann der schwierige Teil. Der Fisch musste für das Abendessen filetiert werden, ohne dabei gestochen zu werden. Wie dies gemacht wird, konnte ich kurz nach unserer Ankunft auf Roatan bei unserem Bungalownachbarn beobachten. Das Wichtigste dabei ist, erst alle giftigen Stacheln mit einer Schere zu entfernen und hier ist äusserste Vorsicht geboten. Da sich das Gift nur in diesen Stacheln befindet und nicht in seinem restliche Körper, ist der Fisch anschliessend komplett harmlos und kann wie jeder andere Fisch filetiert werden. Die Fischfilets wurden zu Fischtacos verarbeitet und bescherten uns ein vorzügliches Abschlussessen in Honduras.



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