• Alessia Büchel

Von Oaxaca nach San Cristobal de las Casas


Nach einer siebenstündigen Busfahrt von Mexiko City erreichten wir das Städtchen Oaxaca. Da es immer wieder anfing in Strömen zu regnen, sodass sich die Strassen in Bäche verwandelten und die Wetterprognosen für die nächsten Tage nicht besser aussahen, beschlossen wir bald wieder weiter zu reisen. Jedoch schafften wir es am nächsten Tag eine Regenlücke zu finden und durch die wunderschönen Gassen mit den farbigen Häusern zu schlendern. Beeindruckt hat uns vor allem die prunkvolle Kirche Santo Domingo, dessen Inneneinrichtung und Deckengemälde hauptsächlich aus Gold bestand. Aber auch die vielen bunten VW Käfer, die herumdüsten waren ein Augenschmaus von dem wir nicht genug bekommen konnten.




Die Busfahrt von Oaxaca nach San Cristobal de las Casas

Wir waren schon sehr gespannt, wie unsere erste 12 stündige Nachtbusfahrt verlaufen wird und ob wir ohne besonderen Vorkommnisse unser Zielort erreichen werden. Da bekanntlich die coolen Kids hinten sitzen, verpasste uns der Mann am Schalter zwei Plätze im hinteren Teil des Busses, ausgerechnet neben der Bordtoilette. Da der gesamte Bus bereits voll war, hatten wir keine andere Wahl und nahmen unsere Sitze ein. Doch bevor der Bus überhaupt losfuhr, standen die Leute bereits Schlange um ihr Geschäft verrichten zu können. Weshalb Menschen eine enge, stinkende Bustoilette einer normalen Toilette im Busterminal bevorzugen, bleibt mir ein Rätsel. Auf jeden Fall war es einer der wenigen Momente in denen ich froh war eine Maske zu tragen. Der Bus fuhr los und schon nach ein paar Kilometern, befanden wir uns auf einer Bergstrasse. Kurve um Kurve schlängelten wir den Hügel hoch und wieder runter, hoch und wieder runter und das in einem Affenzahn. Da es bereits dunkel war, fiel es mir schwer den Trick 77 anzuwenden und einen Punkt am Horizont zu fokussieren. Das Einzige das ich sah, waren die weissen Tafeln mit den schwarzen Pfeilen, welche wieder eine scharfe Kurve andeuteten. Zu allem Übel war die Toilettentür kaputt, sodass sie bei jeder Rechtskurve aufsprang und einen markanten Duft verbreitet. Mir ging es wirklich nicht mehr gut und ich hoffte, dass bald eine gerade Strecke folgen würde. Da mein Grossmami im Toggenburg wohnt, bin ich mir zwar mittlerweile kurvige Strecke wie die von Gams nach Wildhaus gewohnt. Der grosse Unterschied liegt aber darin, dass meine Familie jederzeit für mich anhält, mir eine Cola kauft und mich frische Luft schnappen lässt. Meine Brüder würden nun sicherlich behaupten (falls sie den Blogbeitrag überhaupt lesen, was ich stark bezweifle), dass meine Eltern das nur für mich machen, weil ich ihr Lieblingskind bin. Hier hingegen sind Extrawürste nicht erwünscht und mir gingen Sachen durch den Kopf wie beispielsweise: Wie gut habe ich meinen Hamburguesa Hawaiana beim Abendessen gekaut? Schaffe ich es mit einem Hechtsprung rechtzeitig zur Kloschüssel? Nach ca. 3,5 Stunden wurde ich dann von meinen Qualen befreit. Der Bus fuhr endlich wieder einmal auf einer geraden Strecke und ich konnte entspannen. Die Sitze selbst waren wirklich extrem bequem, kein Vergleich zu Flugzeugsesseln und man konnte sie so richtig weit nach hinten klappen. Irgendwann kam mir dann in den Sinn, dass sich in meiner Tasche noch ein leckeres "Zuckerbrötli" aus der Bäckerei befindet. Ich kramte es heraus und biss genüsslich hinein. Doch was erschmeckten da meine Geschmacksknospen? Welche verbitterte Person kommt auf die barbarische Idee in ein unschuldiges Zuckerbrötli, Kümmel zu mischen? Wieder einmal eine Frage, die unbeantwortet bleibt.

Ansonsten passierte auf der Busfahrt nichts Spektakuläres, keine Panne, keinen Überfall. Ich mit meinen 100 Pesos in der Hosentasche und Michael mit seinem griffbereitem Schweizersackmesser wären natürlich top vorbereitet gewesen. Trotzdem sind wir kein bisschen traurig, dass uns solch eine Situation verwehrt blieb.




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