• Alessia Büchel

Hurricane Delta: Mittendrin, statt nur dabei

Neben Banker, Koch, Gärtner, Farmer und Fotograf ist Michael ein Hobbymeteorolog und hält uns wettertechnisch immer auf dem Laufenden. Gespannt hat er den tropischen Sturm am ersten Oktoberwochenende beobachtet und bereits die Befürchtung, dass das Flugzeug von unserem ersten Besucher nicht landen kann. Glücklicherweise liess der Wind gegen Sonntagabend langsam nach, sodass unser Freund, welcher verwirrenderweise auch Michael heisst, wohlauf bei uns im Hotel "The Reef 28" ankam. Das Hotel hat keine direkte Strandlage (250m vom Strand entfernt), was bei der Buchungsentscheidung eher dagegen gesprochen hat. Als aber Michael den Hurricane, der direkt auf uns zu raste, auf seinem Wetterradar entdeckte, waren wir froh nicht in einem Strandbungalow hausen zu müssen.



Den Dienstag verbrachten wir in einem der Partnerhotels am Strand von Playa del Carmen. Natürlich wollten wir unser "All-Inklusive-Armband" bereits bei der Ankunft ausnutzen und bestellten an der Poolbar 3 Gin Tonics. Der Barkeeper schüttelte aber einfach nur den Kopf und wies mit seinem Finger zu einer Infotafel. Das Ganze kam uns doch sehr spanisch vor, nicht nur im Bezug auf die Sprache, sondern zum Inhalt. Da stand doch tatsächlich, dass heute die gesamte Quintana Roo Küste nüchtern bleiben soll. Anscheinend wird, der Sicherheit wegen, vom Staat der Ausschank und Verkauf von Alkohol bei einem Hurricane verboten. Für die mexikanischen Hotelgäste war dies nichts Neues und nahmen es gelassen, während wir darauf hofften, dass wenigstens die Minibar in unserem Zimmer aufgefüllt wurde. Am Strand waren weit und breit weder Liegen noch Schirme zu sehen und die Palmen wurden von den Hotelangestellten stark gestutzt. Am späteren Nachmittag liefen wir durch die Strassen und beobachteten wie die Geschäfte und Restaurants sturmfest gemacht wurden. Routiniert bohrte und hämmerte man Bretter um die Gebäude, klebte Fensterscheiben ab und befestigte lose Gegenstände. Das Ganze geschah in einer Ruhe, sodass wir die Situation auch sehr gelassen nahmen. In den Medien wurde bekannt gegeben, dass Delta zu einem Kategorie 4 Hurricane aufgestiegen ist und in der Nacht auf Mittwoch das mexikanische Festland erreichen wird. Auch im Hotel nahm man die ganze Sache locker, sodass wir nach einem herrlichen Abendessen zu Bett gingen und friedlich schlafen konnten. Bis auf ein paar kurze Stromausfälle in der Nacht (die Mikrowelle hat gepfiffen sobald sie wieder Strom hatte), haben wir eigentlich nicht viel von Deltas Ankunft mitbekommen.





Am nächsten Morgen um 6:00 stand der sensationslustige Michael bereits vor unserer Tür. Da er aus seinem Zimmerfenster nicht mehr als die Wand des Nebengebäudes sah, war er gespannt was es von unserem Balkon aus alles zu erblicken gab. Zwar windete es immer noch extrem, doch wirkliche Schäden oder Objekte, welche sich an ungewöhnlichen Orten befanden, konnten wir aus dieser Perspektive keine erkennen. Nachdem der Wind ein wenig nachgelassen hat gingen wir deshalb auf die Strasse und inspizierten die nähere Umgebung. Fleissig fegten die Menschen bereits Äste zusammen, befreiten die Geschäfte von den Brettern und befestigten ihre Schilder. Wieder zurück im Hotel trafen wir auf einige Angestellte, die mit Badetüchern das Regenwasser in den Gängen stoppen wollten. Das Glasdach war jedoch nicht das einzige, was an diesem Tag nicht dicht war: Auch wir mussten bis am Abend auf Tequila und Wein verzichten.


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