• Alessia Büchel

Self Drive Safari: Teil 2

Aktualisiert: 19. Juni 2021

Tag 3: Lüderitz - Kolmanskop - Garub - Sesriem

Im Zelt war es in der Nacht angenehm warm, sodass sogar für mich der Pullover und die Jacke für eine erholsame Nacht nicht notwendig waren. Da wir die Allerersten in Kolmanskop sein wollten, fuhren wir früh los und standen überpünktlich mit unserem Wagen am Tor standen. Die Sonne ging gerade auf und die Stimmung war richtig mystisch, gerade perfekt für einen Besuch in der Geisterstadt. Zwar wehte der Wind auf der Kuppe wie verrückt, sodass wir richtig sandgestrahlt wurden, doch das Ambiente war einfach sagenhaft. Wir waren die einzigen Besucher um diese frühe Uhrzeit und konnten die sandgefüllten Häuser ganz alleine erkunden. Die Gebäude waren mit Berufen wie Architekt, Arzt, Lehrer, Bäcker, Buchhalter, ect. (nein, gegendert wurde hier nicht) beschriftet und auch sonst gab es zahlreiche tolle Photospots, wie Fensterbänke, Badewannen und Türrahmen.




Nachdem wir ziemlich jedes Gebäude besichtigt und alle Fotos im Kasten hatten, gings wieder Richtung Landesinnere. Wir mussten schon richtig lachen, als uns ein "Sandräumungslastwagen" entgegen kam, denn von Zuhause kennen wir halt nur den Schneeräumdienst. Doch wie man auf dem Video sieht, ist das hier schon notwendig, ansonsten würden sich die schön geteerten Strassen ziemlich schnell in Offroad Pisten verwandeln. Auf dem Weg zur nächsten Tankstelle entschieden wir uns nochmals beim "Rösslehotspot" vorbeizuschauen. Tatsächlich hatten wir heute Glück und fanden rund 30 wilde Pferde beim Wasserloch vor. Da es anscheinend in ganz Namibia nur noch 86 Wildpferde gibt (Zählung 2020), war dies sicherlich ein Volltreffer.




Mit vollem Tank und reduzierter Luft in den Reifen gings über Namibias schönste "Strasse", der D707, nach Sesriem. Die Fahrt war lange, doch die Landschaft war so hammermässig, wir hätten noch stundenlang weiterfahren können. Immer wieder stoppten wir, um Fotos und Filme zu machen und auch das Fahren selbst auf dem sandigen Untergrund war einfach nur richtig lässig. Andere Autos kamen uns auf der 350km langen Route kaum entgegen, erst dann wieder in Sesriem, dem Ausgangspunkt für den Besuch in Sossusvlei. Der Campingplatz hinter dem Gate (extra ausgewählt, sodass wir früher in den Park können) war richtig schön. Unter einem riesigen Baum machten wir es uns gemütlich, stellten Zelt, Tisch und Stühle auf und Michael bereitete schon mal das Feuer für den "Braai" (Gegrilltes) vor. Mittlerweile sind wir schon ein perfekt eingespieltes Team, dass jeder genau weiss, was er zu tun hat. Ich würde sogar schon fast behaupten, dass Arbeitsteilung bei einem 7/24 Zusammenleben auf engstem Raum ein "Muss" ist, wenn man eine friedliche Zeit haben möchte.



Tag 4: Sesriem - Sossusvlei

Früh morgens gings los, weil wir ja unbedigt wieder die vordersten am Tor sein wollten und somit die ersten im Park. Tatsächlich hatte noch jemand anderes das selbe Ziel, sodass wir schlussendlich die zweiten waren, was für uns auch völlig in Ordnung war. Bei Sonnenaufgang standen wir bei der gigantischen Düne 45. Während Michael beim Besteigen des Sandhügels auf halben Weg kehrt machte, da er lieber mit der Drohne fliegen wollte, stampfte ich noch bis ganz nach oben. Wer schon einmal auf einer Sanddüne war, weiss wie anstrengend es ist und kann sich vielleicht auch vorstellen, wie oft ich meine Turnschuhe ausleeren musste. Der Sand in den Tretern hat meine Füsse quasi rausgestossen, sodass meine Fersen nicht mehr hineingepasst hatten. Die Aussicht war die Anstrengung auf jeden Fall Wert und auch das frühe Aufstehen, denn wir hatten die ganze Düne für uns alleine. Weiter gings anschliessend der Strasse entlang nach Deadvlei zum wohl berühmtesten Namibia Photospot, dem toten Baum auf weissem Boden und der orangen Düne im Hintergrund. Beim Parkplatz angekommen liefen wir sogleich los. Irgendwie mussten wir aber in den vergangenen 10 Monaten zu viel Sonne abbekommen haben, denn wir haben uns komplett verlaufen. Zwar stand auf einer Tafel, dass man einfach der Markierung folgen soll, doch wir sahen einfach nirgends eine. So irrten wir zwischen Bäumen und Dünen herum bis wir andere Menschen sahen und folgten diesen. Schlussendlich hatten es dann auch wir zum weltbekannten Ort geschafft und waren sprachlos. Es sah wirklich genau so aus wie auf den Fotos und die Dünen im Hintergrund bildeten eine sagenhafte Kulisse. Obwohl es momentan Winter ist, war es recht warm und wir waren uns einig, dass wir hier ganz sicher nicht im Sommer sein wollten. Auch menschentechnisch war sehr wenig los, wenn man bedenkt, dass jetzt Hauptsaison ist. Corona sei Dank!




Den Canyon beim Eingang zum Park beschlossen wir auszulassen, da wir uns sicher waren, dass dieser nicht eindrücklicher als der Fish River Canyon sein konnte. Zu gross war der Durst nach Wein, denn der nächste Stopp war das Weingut 'Neuras', irgendwo im nirgendwo. Wir waren gespannt wie so ein Wein mitten in der Wüste wohl schmecken mag und freuten uns auch auf die Käseplatte, die wir auf der Webseite gesehen hatten. Die Reben, welche wir bei der Anfahrt sahen, schienen sehr trocken zu sein, doch der Wein schmeckte trotzdem richtig gut. Wir genossen den Nachmittag auf dem Weingut und da der Campingplatz praktisch um die Ecke war, mussten wir uns übers Fahren auch keine grossen Gedanken machen.


Der Campingplatz den man uns zugeteilt hatte (wir waren wieder einmal die einzigen Gäste) war richtig schön. Ganz alleine irgendwo zwischen ein paar Bäumen, Felsen und Büschen hatten wir unsere Feuerstelle und ein kleines WC mit Dusche. Weit und breit war keine Menschenseele und demensprechend auch kein Licht, sodass wir den wohl schönsten Sternenhimmel aller Zeiten bestaunen konnten (Der Himmel sah wirklich so aus wie auf dem Foto). Am Feuer genossen wir eine heisse Schoggi und lasen bis spät in die Nacht hinein.



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