• Alessia Büchel

San Cristóbal de las Casas

Was für ein schöner Ort! Schon auf dem Weg zu unserer Unterkunft waren wir uns einig, dass sich diese lange Busfahrt auf jeden Fall gelohnt hat. Da wir erst am Nachmittag in unser Zimmer einchecken konnten, beschlossen wir unser Gepäck im Hotel zu lagern und uns zuerst einmal einen Kaffee (bzw. eine heisse "Schoggi" für mich) zu gönnen. Lange suchen mussten wir nicht, da es in der Fussgängerzone nur noch von kleinen Restaurants und Cafes wimmelte. Nachdem wir uns gestärkt hatten, schlenderten wir durch die Gassen und entschieden uns auf Grund des Wetters, bereits heute nach Chamula zu gehen.


San Juan Chamula

Chamula ist ein kleiner Ort in der Region Chiapas, nördlich der Stadt San Cristóbal de las Casas. Die Einwohner von Chamula gehören dem Volks der Tzotzil (Ureinwohner und Nachfahren der Maya) an. Fast alle sprechen die indigene Tzotzil-Sprache und sehr viele sprechen kein Spanisch, geschweige denn Englisch. Im Internet fanden wir einen Tourguide, der alle drei Sprachen sprach und Zeit hatte mit uns diesen speziellen Ort zu besuchen. Bevor wir das Gefängnis sehen und die berühmte Kirche betreten durften, wurden wir mit Informationen zur Tzotzil-Kultur und Chamula gefüttert. Es herrschen hier ganz eigene Regeln und Gesetzte, sogar die Todesstrafe wird praktiziert. Es entscheidet das Volk was mit Verbrechern passiert, ob man begnadigt wird oder nicht. Laut unserem Guide werden Vergewaltiger oder Mörder mit Benzin übergossen und verbrannt, während man bei kleineren Delikten in eine Zelle geschlossen wird, die Mitten im Dorf steht und jeder reinschauen kann. Die pelzige Kleidung ist das "Markenzeichen" der Tzotzil und auch wir wünschten uns in dem Moment einen warmen Pelz um uns, da es aus heitern Himmel anfing zu regnen und es langsam wirklich kalt wurde. Schnell flüchteten wir Richtung Kirche, bei der man uns nochmals ausdrücklich verbot Fotos zu machen. Als wir dann endlich dieses Gotteshaus betraten, kribbelte es schon wahnsinnig in unseren Fingern, da sich dies einfach als ein atemberaubendes Fotomotiv eignete. Bänke oder Stühle waren keine zu sehen, der Boden jedoch war mit Tannenzweigen ausgelegt und es brannten überall tausende von Kerzen. Cola wurde herumgespritzt, es wurden Zigaretten geraucht, Hühner getötet und Gebete gemurmelt. Es war ein ganz komisches Gefühl zwischen den Menschen durchzulaufen, welche gerade ihre Rituale vollzogen und uns nicht weiter beachteten. Wer nicht oft genug die Kirche besuchte und Opfer brachte, oder sogar zu einem anderen Glauben konvertiert, wird aus dem Dorf verbannt und ist nicht mehr willkommen. Es war ein sehr eindrücklicher Nachmittag, welchen wir nicht auf Fotos, jedoch im Kopf in Erinnerung behalten werden.


Chiflon Wasserfälle und Lagunas Montebello Nationalpark

Der nächste Tag war für uns ein etwas spezieller Ausflug, da weder unser Guide noch irgendein "Tourist" im Bus Englisch sprach. Da wir für zwei Personen nur umgerechnet 35$ zahlten, gingen wir davon aus, dass wir einfach zu den Wasserfällen fahren, dort die Umgebung auskundschaften und dann wieder nach San Cristobal zurückkehren. Auf einen 15 stündigen Ausflug mit Abstecher in ein anderes Land, haben wir wirklich nicht gerechnet.

Bis wir den 120m Meter hohen Wasserfall bestaunen konnten, ging es zuerst einmal viele rutschige Stufen hoch, vorbei an mehreren kleineren Wasserfällen. Der Ausblick am Ende der Treppe war grandios, obwohl wir klatschnass waren. Da es gerade Regenzeit ist, stürzte eine Unmenge an Wasser den Bach hinab, in welchen man normalerweise auch baden könnte. Zu dieser Zeit jedoch ein Bad zunehmen, wäre sogar für den besten Schwimmer das Todesurteil. Nach dem Abstieg, welcher sich als noch rutschiger herausstellte, ging es weiter zum Lagunas Montebello Nationalpark. Dort gab es für uns eine richtig gute Grillplatte zum Mittagessen mit Blick auf einen der Seen. Der Rest des Nachmittages verbrachten wir an verschiedenen Lagunen und Aussichtspunkten. Bevor es dann aber zurück nach San Cristobal ging, fuhren wir zum Lake International, bei welchem sich die Grenze zu Guatemala befindet. Natürlich liessen wir es uns nicht entgehen, auf guatemalischen Boden zustehen und schlenderten durch die Souvenirverkaufstände auf der anderen Seite der Grenze. Speziell war zudem, dass zwischen Guatemala und Mexiko eine Stunde Zeitunterschied herrschte, sodass unser Guide bei der Verkündung der Weiterfahrt betonen musste, dass er sich dabei auf die mexikanische Zeit bezieht. Nach dem Abstecher über die Grenze, ging es dann Richtung San Cristobal. Wir waren völlig zerstört und freuten uns als wir um 10 endlich im Hotel ankamen und uns ins Bett fallen lassen konnten.


Ab an den Strand

Die zwei Wochen in Mexiko waren wirklich toll, doch für unseren Geschmack ein wenig zu kalt (wir befanden uns immer auf einer Höhe von 1555 bis 2250 Metern). Da wir das Meer und die Wärme vermissten, war für uns klar, dass die nächste Destination am Strand liegen würde. So kam es, dass wir am nächsten Tag einen Flug nach Cancun hatten. Die ganze Strecke wäre auch mit dem Bus in 23 Stunden machbar gewesen, doch da der Flug für zwei Personen nur 137 Franken kostete, fiel uns die Entscheidung nicht wirklich schwer. Den letzten Tag in San Cristobal de las Casas verbrachten wir in einer Tapas Bar, welche uns an die Andalusienreise vor genau einem Jahr erinnerte. Mit Wein und verschiedenen Häppchen liessen wir es uns gut gehen, vielleicht auch zu gut. Als Michael nämlich mit den Worten "Schatzi, miar hen äz an Loi" zurückkehrte, war mir schlagartig klar, dass der Wein verschwinden musste. Nach ein paar Gläser ist mein Partner oft sehr kauffreudig und man kann ihn wirklich alles andrehen (zum Beispiel war es in Thailand eine Hochzeitsband). Glücklicherweise konnte ich noch rechtzeitig intervenieren, sodass wir nicht in den Besitz eines ganzen Zoos kamen. Der Löwe den Michael ergattert hatte, stellte sich als Gepard heraus und ist eine 10 cm grosse Holzfigur. Puh Nochmals Glück gehabt!



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