• Alessia Büchel

Quito - Die höchstgelegene Hauptstadt der Welt

Gerade auf Grund dieser Höhe (2850 müM) waren wir froh, nicht direkt von Aruba nach Quito geflogen, sondern mit dem Bus via Banos gereist zu sein. Obwohl die Tagesdurchschnittstemperatur nur bei 20 Grad liegt, gehörte das Einschmieren von Sonnencreme, wie das Zähneputzen zu unserem Morgenritual. Denn an keinem anderen Ort der Welt ist man der Sonne so nah wie in Ecuador. Für 13 $ pro Nacht (2 Personen) hausten wir in einem Hostel mit einem gigantischen Ausblick über die Stadt und meldeten uns sogleich für die Free-Walking Tour am nächsten Tag an. Unser motivierter Führer Fernando scheuchte uns von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und erzählte uns interessante, aber zum Teil auch sehr kuriose Geschichten. Beispielsweise wurde die Basilika, welche der Notre Dame sehr ähnelt, nicht fertig gebaut, da die ältere Generation glaubt, dass dann die Apokalypse beginnt. Auch die Verzierungen dieses unglaublichen Gebäudes war sehr speziell. So konnte man auf der Vorderseite die wunderschönen einheimische Tiere wie Schildkröten, Jaguar, Affen und Leguane betrachten und auf der Rückseite waren dann eher die "hässlichen" Gestalten, wie beispielsweise ein gekochtes Meerschweinchen (ohne Fell und lang gestreckt) abgebildet. Meerschweinchen oder auf spanisch "Cuy" genannt, haben hier nicht nur in der traditionellen Medizin einen wichtigen Stellenwert, sondern gelten auch in der Gastronomie als Spezialität.


Nachdem wir uns wieder einmal einen Coronatest unterziehen mussten, ging es zum Äquator (Mitad del Mundo), welcher nur wenige Kilometer ausserhalb Quitos liegt. Zuerst besuchten wir den "richtigen" Äquator, welcher eigentlich eher ein Outdoor Museum ist. Mit verschiedenen spannenden Experimenten und Erklärungen, bewies man uns, dass wir uns auch wirklich auf dem Äquator befinden. So konnten wir beobachten, dass der Wasserstrudel bei einem Waschbecken auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn abläuft, auf der Nordhalbkugel jedoch im Gegenuhrzeigersinn. Stellte man das Waschbecken direkt auf den Äquator, gab es gar keinen Strudel und das Wasser floss geradewegs in den Ablauf. Erklärt wurde dies mit der Corioliskraft. Wir waren sehr beeindruckt, haben dann aber im Nachhinein (via Instagram und Internetrecherchen) herausgefunden, dass man uns wahrscheinlich ein wenig "veräppelt" hat. Die Corioliskraft gibt es zwar wirklich (z.B. drehen sich Wirbelstürme auf der Nordhalbkugel links herum, während sich Wirbelstürme auf der Südhalbkugel nach rechts drehen), doch so Nah am Äquator ist diese Kraft kaum zu erkennen. So rückblickend ist es schon recht frech von einem offiziellen Museum angelogen zu werden. Aber naja, irgendwie müssen sie ja Geld machen, denn für eine einfache gelbe Linie würden sicher nicht so viele Touristen hier her kommen und Eintritt zahlen. Besonders interessant fand Michael den echten Schrumpfkopf, der in einer Vitrine ausgestellt war. Schon recht ekelhaft, wenn man darüber nachdenkt, dass dies einmal ein richtiger Mensch war und dass solche "Köpfe" bis vor ein paar Jahren hergestellt wurden.

Nach dem "richtigen" Äquator, ging es natürlich auch noch zum 100 Meter entfernte "falschen" Äquator, welcher mit einem riesigen Monument gekennzeichnet ist. Wie man sich vielleicht denken kann, verlangte man auch für diese Touristenattraktion wieder Eintritt.

Abends machten wir es uns dann mit ein paar Krügen Glühwein auf der Dachterrasse gemütlich und liessen den Tag ausklingen. Während man früher zu Hause im "El Capitan" durch die Pink Panter Musik "Wer hat an der Uhr gedreht" zum nach Hause gehen aufgefordert wurde, wurden wir hier schon um 11 Uhr mit der wohl schlimmsten Version von "My heart will go on" (Titanic) vertrieben.

Anmerkung: Auf Grund des miserablen Internets ist es uns momentan unmöglich Filme hochzuladen. Sobald wir eine bessere Verbindung haben, folgt das "Strudelexperiment". Die Ungeduldigen unter euch können die Videos auch auf unserem Instagram Account nachschauen.



Am darauffolgenden Tag machten wir einen Ausflug zum 200km entfernte Quilotoa Krater. Wir hatten mal wieder ein wahnsinniges Glück, denn anscheinend war es ein Tag zuvor so neblig, dass man keine fünf Meter weit gesehen hat. Wir genossen einen fantastischen Blick auf die türkis blaue Lagune und liessen es uns nicht nehmen, noch ein Foto mit einem Alpaka zu machen. Auf dem Rückweg kamen wir dann endlich in den Genuss der ecuadorianischen Spezialität, dem Meerschweinchen. Es schmeckte zwar nicht schlecht, doch viel Fleisch war nicht wirklich dran. Also keine Panik, liebe Meerschweinchenbesitzer/innen, bei der "Welcome Back Party" im Sommer werden wir wieder auf Bratwurst und Cervelat zurückgreifen.


Ich weiss zwar nicht was die lateinamerikanischen Architekten hauptberuflich machen, doch wie zum Teil Zimmer oder Badezimmer konstruiert werden ist schon recht fragwürdig. So hatten wir schon des öfteren Zimmer mit Wänden, die nicht bis zur Decke gehen oder Badezimmer ohne Türen. Obwohl ich wirklich sehr gerne mit Michael Zeit verbringe und ihm Nahe sein möchte, gibt es Momente bei denen ich mich nach ein wenig Privatsphäre sehne. Wieso deshalb so viele Hostels bei einer Toilettentür sparen, ist mir ein Rätsel. Doch der Vogel hat eindeutig das "Meerschweinchen Restaurant" abgeschossen. Die Idee von einem Fenster in der WC Kabine ist zwar nicht schlecht, doch meiner Meinung nach (als bescheidene nicht-Architektin) sollte man eventuell darüber nachdenken, es zu verkleinern und/oder es anders zu positionieren.



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