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  • AutorenbildMichael Gstöhl

Galapagos, Teil 3 - Tauchparadies

Im August waren wir in Tansania auf Safari und ich war beindruckt und sprachlos von den unzähligen Tieren, den nahen Begegnungen und den unendlichen Weiten. Damals dachte ich, das Highlight unserer Weltreise wäre definitiv die Serengeti. Ich lag falsch.

Vor 12 Jahren erwarb ich, zusammen mit meinem Vater, die Tauchlizenz im eiskalten Vierwaldstättersee. Im Jahr darauf reiste ich mit ihm ans rote Meer, um unser Tauchknowhow zu vertiefen und schlossen die Ausbildung "AdvancedOpenWaterDiver" ab. Seit dem stand meine Tauchkarriere ziemlich still und ich war nur noch etwa dreimal unter Wasser. Als wir unsere Weltreise starteten war für mich klar, dass ich in dieser Zeit unbedingt wieder Tauchen möchte. Unzählige Male wollte ich vor Galapagos einen Auffrischungskurs belegen, aber irgendwie hat es nie in den Plan gepasst oder hat sich einfach nicht ergeben. Dies hat mich nach der Landung sofort geärgert, da ich wusste, dass ich jetzt im Tauchparadies bin und erst einen langweiligen Wiederholungskurs abschliessen muss.

Sofort am ersten Tag stürmten wir mit unseren deutschen Freunden in die leeren Touristen Agenturen und holten uns Offerten für die geplanten Ausflüge ein. Da ich der einzige Taucher in unserer Gruppe war, holte ich mir separat noch Informationen zu den Tauchgängen ein. Ich fragte gleich nach einem Auffrischungskurs, da sagte man mir, dass diese sowieso vor jedem Tauchgang stattfinden würden und man das nicht separat machen müsse. Fand ich zwar ein bisschen merkwürdig, aber egal, ich konnte tauchen gehen.

Ein paar Tage später stand dann der erste Tauchgang vor der Türe.

Tauchen vor Seymour Norte/Mosquera

Unsere Tauchgruppe traf sich Morgens um 7:00 vor dem Tauchcenter und von dort aus brachte uns der Pickup zum Hafen. Anschliessend ging es mit dem Boot zur Insel Seymour Norte bzw. Mosquera. Hier befindet sich eine grosse Putzstation für Fische, das heisst grosse Fische schwimmen hier her um sich die Parasiten von kleinen Fischen fressen zu lassen.

Wie ich auf dem Boot feststellen musste waren alle 9 Touristen Tauchprofis: Tauchlehrer aus Honduras, Industrietaucher aus den USA etc. Ein kleines bisschen Nervosität kam auf. Ich wurde mit dem wenigsten erfahrenen Taucher in eine Gruppe gesteckt, dieser hatte "nur" 140 Tauchgänge. Unser Guide wiederholte noch die Zeichensprache für Unterwasser und gab uns die letzten Informationen zum anstehenden Tauchgang. Dann wurde bereits die Ausrüstung angezogen und alles startklar gemacht. Der Auffrischungstauchgang war somit vergessen und es ging gleich ins kalte Nass zu den Haien. Meine Nervosität stieg weiter und wir setzten uns auf den Bootsrand. Der Guide zählte bis 3 und wir liessen uns Rückwärts ins Wasser fallen. Anschliessend trafen wir uns hinter dem Boot und bekamen das Zeichen zum Abtauchen.

3 Meter unter dem Wasser war die Nervosität dann schon wieder komplett verflogen. Wer bereits getaucht ist weiss, dass Tauchen absolut entspannend ist (bzw. sein kann). Ich fühlte mich Unterwasser puddelwohl und merkte gleich, dass ich noch weiss wie der Hase läuft. Wir sanken bis 15 Meter ab und tauchten langsam dem Riff entlang, welches voller bunter Fische war. Aber wegen der bunten Fische taucht man ja nicht auf Galapagos. Wir waren noch keine 5 Minuten im Wasser als es hiess, wir sollten uns am Riff festhalten und der Guide zeigte uns das Zeichen für Haie. Vor uns schwammen 5 ca. 3 Meter lange Galapagos Haie friedlich im Wasser. Dann passierte etwas was absolut typisch für mich ist. Ich zog mir am Riff einen kleinen Schnitt am Finger zu und sah wie ein bisschen violettes Blut (ab einer gewissen Tiefe wird die Farbe Rot herausgefiltert) herausrann. Dann war die Entspannung schnell verflogen als mir bewusst wurde das Haie direkt vor mir sind und die ja angeblich einen Blutstropfen über mehrere Kilometer riechen können. Die Haie kümmerte das zum Glück wenig und meine Entspannung kam schnell wieder zurück.

Wir konnten noch diverse Rochen, Schildkröten, Muränen und die ersten einzelnen Hammerhaie auf dem Tauchgang beobachten und ich kam aus dem Stauen nicht mehr raus. Kaum war ein Tier vorbeigezogen kam auch schon das nächste hinterher. Nach 50 Minuten ging uns langsam der Sauerstoff aus und wir kehrten auf das Boot zurück. Über Wasser wurden wir mit Gebäck verwöhnt und tauschten unsere Erfahrungen mit den anderen Gruppen aus. Die Tauchlehrer meinten nur, dass sie so viel Tiere auf einem Fleck noch nie irgendwo gesehen hätten und sie wären sonst schon an allen Tauchhotspots der Welt gewesen. Auch ich war hin und weg. Nach einer Stunde Pause gings zum zweiten Tauchgang. Wieder ab ins Wasser und die verschiedenen Lebewesen zogen einfach an uns vorbei. Es war fantastisch. Nach 40 Minuten Tauchzeit hörten wir plötzlich sehr merkwürdige Töne Unterwasser. Ich konnte die Töne nicht einordnen. Zurück auf dem Boot schrie der Kapitän uns zu, dass gerade 10 Orcas 100m neben unserem Tauchspot vorbeigezogen sind. Unterwasser haben wir die leider verpasst.

Nach dem gelungenen Tag kehrte ich fast sprachlos zurück ins Hotel und plante schon die nächsten Tauchgänge. Diesen Tauchgang habe ich noch 2 Mal wiederholt, wobei alle Tauchgänge recht ähnlich waren, ausser bei einem schwamm noch ein ca. 5m breiter Manta direkt auf uns zu, was absolut grandios war(nicht der kleine im Video unten).




Das "Hailight": Gordon Rocks



Viele von euch kennen sicher die Aufnahmen aus Dokus von NatGeo oder BBC, welche riesige Hammerhaischwärme zeigen. Ich wusste, dass diese Aufnahmen fast alle aus Galapagos stammen und zwar von den beiden Inseln Wolf und Darwin im Nordwesten. Diese Inseln sind leider nur mit einer mindestens 7 tägigen Tauchsafari zu erreichen, welche ca. 8000.- Dollar kosten. Deshalb habe ich mir überhaupt keine Hoffnungen gemacht, geschweige denn daran gedacht die Tiere in grosser Anzahl zu sehen. Vor Ort erfuhr ich dann aber, dass es auch hier in der Nähe die Chance gibt diese riesigen Haischulen zu sehen, jedoch braucht man dazu auch etwas Glück. Als ich das gehört habe musste ich mich natürlich sofort anmelden. Gesagt getan, sass ich im Tauchboot Richtung Gordon Rocks. Auf dem Boot waren 2 Brasilianer, die 2 Tage zuvor schon dort waren, aber gar nichts gesehen hatten und auch sagten, dass die Sicht sehr schlecht war. Ich hoffte das Beste.

Der Tauchspot besteht aus einem versunkenen Vulkankrater, wobei 3 Felsen aus dem Wasser stehen. Der Krater wird auch die Waschmaschine genannt, da sehr starke Strömung herrscht und diese innerhalb von Sekunden die Richtung ändern können. Also kein entspannter Tauchgang. Auf drei ging es wieder ab ins Wasser. Wir tauchten in eine Tiefe von 20 Meter ab und kaum hatten wir die Tiefe erreicht, machte unser Guide bereits das Zeichen für Hammerhai (je eine Faust links und rechts vom Kopf). Wir hielten uns am Riff fest und ich konnte nur unzählige Schemen in der Weite sehen doch sie kamen immer näher und plötzlich konnte man sie erkennen. Etwa 30 Hammerhaie schwammen direkt auf uns zu. So ebeindruckt war ich in meinem ganzen Leben noch nie und ich war einfach hin und weg.

Wir blieben etwa 20 Minuten am Riff und die Haien kamen insgesamt 5 Mal bei uns vorbei.

Das unglaubliche Gefühl hielt auch nach dem Tauchgang noch an und ich kam mir vor, als hätte man mir Drogen verabreicht, so geflasht war ich von diesem Tauchgang.



Auf jeden Fall wollte ich dies noch einmal erleben und buchte sofort eine neue Tour für den letzten Tag vor unserer Abreise zu einer anderen Insel. Leider gab es zu wenig Anmeldungen für den Tauchgang und ich hatte schon Angst ich könnte nicht mehr dahin. Zum Glück verwies mich mein Tauchcenter zu einem ihrer Partner, welche an diesem Tag zu Gordon Rocks gehen würde. Ich war überglücklich, dass es doch noch klappte.

Die neue Tauchcrew war ein Volltreffer. Unser Guide hat schon bei Produktionen der BBC und NatGeo mitgewirkt und wird immer angerufen wenn grosse Firmen Dokus in den Gewässern von Galapagos drehen. Er zeigte uns Videos und Fotos der Produktionen und man merkte sofort, er war Feuer und Flamme fürs Tauchen. Wie sich gleich herausstellt ist er auch ein grosser Adrenalinjunkie.

Bei Gordon Rocks angekommen gings sogleich wieder ins kühle Nass und wir tauchten wieder zum gleichen Riff wie beim letzten Mal. Die Hammerhaie liessen auch dieses Mal nicht lange auf sich warten, nur waren es dieses Mal mindestens doppelt so viele. So weit das Auge sehen konnte, waren überall Haie. Als die Schule direkt auf uns zu schwamm und wir uns am Riff klammerten, machte unser Guide ein Zeichen, dass wir jetzt in die Haischule hinein tauchen. Ich wiederholte das Zeichen mehr als Frage als als Antwort, aber da tauchte er schon los. Ich folgte ihm und konnte es kaum glauben was wir da gerade taten. Unter uns, über uns und links/rechts neben uns waren Haie auf ca. 5m Distanz. Es war ein überwältigendes Gefühl und definitiv das beste Tiererlebnis das ich je hatte. In diesem Augenblick wusste ich, dies ist das Highlight unserer Reise.

Nach einer einstündigen Pause ging es für den zweiten Tauchgang im Wasser. Dieser startete genial, da uns 5 Seelöwen verfolgten und dauernd um uns herum tauchten.



Wir liessen uns von der starken Strömung leiten und irgendwann machte unser Tauchguide das Zeichen wir sollten uns am Riff festhalten. Der Ort war etwas unglücklich gewählt da die Strömung hier recht stark war und man nur damit beschäftigt war sich festzuhalten, anstatt die Umgebung zu beobachten. Plötzlich wurde die Strömung noch stärker und riss mich von Riff weg, gleichzeitig riss ich mir meinen Daumen am spitzen Vulkangestein auf und es strömte ordentlich Blut heraus. Man kann sich das wie eine violette Rauchwolke vorstellen, die sich über die Strömung verteilt. Ich presste mir sofort den Zeigefinger auf den Daumen und stellte fest, dass ich mich deutlich höher aufhielt als zuvor. Durch den Schnitt im Finger ging mein Atem deutlich schneller womit sich mehr Luft in meiner Lunge befand und ich stieg immer schneller auf. Zum Glück reagiert ich schnell und konnte meine Tauchweste von der Luft befreien und brachte auch meinen Atem wieder unter Kontrolle. Mein Tauchguide war in der Zwischenzeit auch bei mir und erkundigte sich ob ich abbrechen möchte. Natürlich nicht! Und gerade zu dem Zeitpunkt tauchten die Hammerhaie auf und kamen so nah an uns rann wie noch nie zuvor. Hätte ich die Hand ausgestreckt, hätte ich ein paar von ihnen berühren können. Ob dies mit meinem blutenden Finger zu tun hatte, darüber möchte ich lieber nicht nachdenken.

Wir starteten langsam wieder mit dem Auftauchen, als wir wieder sehr komische Geräusche wahrnahmen. Plötzlich tauchte neben uns ein ca. 6 Meter grosser Pilotwal, oder auch Grindwal genannt, auf. Da ich immer noch damit beschäftigt war meinen Zeigefinger auf den Daumen zu pressen, habe ich leider keine Aufnahme davon, aber im Video unten könnt ihr die Töne hören. Besser hätte der letzte Tauchgang nicht enden können (ausser vielleicht mit Orcas).




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