• Alessia Büchel

Big Corn Island

Aktualisiert: 17. Apr. 2021

Michael war schon ein wenig enttäuscht, als man ihn bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen von Managua einfach durchwinkte und er weder seine Drohne auspacken, noch sein hart erarbeitetes Dokument zeigen musste. Für nationale Flüge gibt es dort ein separates Terminal, wobei das Wort "Terminal" schon ein wenig übertrieben ist bei dieser Grösse. Beim Check-In wurden die Rucksäcke von Hand angeschrieben und zum Flugzeug getragen. Tickets gab es auch nicht, da die Anzahl der Passagiere sehr überschaubar war. Mit einem demensprechend kleinen Flieger gings dann auf die 1,5h entfernten Maisinseln im karibischen Meer.


Da unsere gemietete Wohnung erst einen Tag später zur Verfügung stand, buchte ich für die erste Nacht eine andere Unterkunft. Der Ärger war gross als uns der Taxifahrer vor einem "Geisterhaus" stehen liess und weg fuhr. Laut den Nachbarn wäre niemand im Gebäude und die Besitzerin befinde sich im Moment auch nicht auf der Insel. Vollbeladen mit unseren Rucksäcken, machten wir uns in der heissen Nachmittagssonne auf die Suche nach einer neuen Bleibe. Doch auf Grund des Osterwochenendes gestaltete sich das schwieriger als gedacht. Schlussendlich landeten wir in der wahrscheinlich grössten Absteige der Insel. Im Zimmer staute sich die heisse Luft und im Badezimmerboden lag nicht nur eine Kakerlake sondern auch eine dicke Dreckschicht. Die Steckdose hing lose von der Decke und wir entschieden uns dafür, das Bett nicht genauer anzuschauen und das Licht ausgeschalten zu lassen, ganz nach dem Motto: "Was man nicht sieht, ist auch nicht da".




Obwohl das nicht vorhandene Wlan die ersten Tagen an unseren Nerven zerrten (Ja ich weiss Mama und Papa, ihr seit vor 30 Jahren ein Jahr lang ohne Internet gereist), genossen wir die Zeit in unserer Wohnung mit eigener Küche und dem herrlichen Ausblick. Das Kochen jedoch gestaltete sich auch schwieriger als gedacht, da die Lebensmittelauswahl auf der Insel sehr beschränkt ist. Auf Grund der fehlenden Zutaten war Michael gezwungen kreativ zu werden und zauberte eine herrliche Bolognese mit Ketchup.




Nach dem holprigen Start genossen wir den Rest der Woche umso mehr. Das Leben auf der Insel taugte uns so richtig und es schien so, als würde Corona hier gar nicht existieren. Niemand trug eine Maske und auch Desinfektionsmittel war Mangelware. Alles war so unbeschwert und normal, wir hatten schon fast vergessen wie sich das anfühlt. Auch das Transportsystem auf der Insel funktioniert super. Zwar gibt es einen Bus der rund um die Insel fährt (10 NIO, ca. 25 Rappen pro Fahrt), doch da das Taxi auch nur 20 NIO (50 Rappen) pro Fahrt kostete, entschieden wir die vollgestopften Busse zu meiden und uns den Taxiluxus zu gönnen. Was uns ziemlich überrascht hat, war die Sprache der Inselbewohner. Es war eine Art Englisch, so wie wir es in Jamaika gehört haben. Das Vokabular war sehr einfach gehalten und bei der Grammatik würde es jedem Brite die Nackenhaare aufstellen. So richtig karibisch halt! Viel zu machen gibt es auf dieser 10km2 Insel zwar nicht, doch was gibt’s schöneres als jeden Tag an einem anderen menschenleeren Traumstrand zu liegen und ein Buch zu lesen?




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