• Alessia Büchel

Self Drive Safari: Teil 8

Tag 25 - 27: Okavango Delta

Der Tag der Tage ist endlich gekommen! Bereits seit zu Beginn unseres Roadtrips freuten wir uns auf diese spezielle Zeit im Okavango Delta. Alles in Botswana ist sehr teuer, doch ein Besuch im Okavango Delta ist für Normalsterbliche oder sagen wir zumindest für Backpacker fast nicht zu bezahlen. Nie hatten wir es für möglich gehalten, dass wir es auf unserer Weltreise zu diesem speziellen Ort schaffen. Wieder einmal "Dank" Corona und tollen Kontakten, welche wir in Guatemala geschlossen hatten, konnten wir uns ein richtiges "Schnäppchen" ergattern.

Da wir uns entschlossen hatten, eine weitere Nacht im Elephants Sands zuverbringen, hiess es dafür am nächsten Tag früh aufstehen. Wir kalkulierten geteerten Strassenbelag, 400 Kilometer und ein wenig Spatzig mit ein und kamen auf die Abfahrtszeit 5:30. Gut gelaunt und wahnsinnig nervös gings dann leider halt noch im Dunkeln los. Nach ein paar Kilometern merkten wir, dass wir irgendwo auf dem Weg noch tanken müssten. 368 Kilometer könnten wir laut Anzeige noch fahren, der Zielort Maun war 355 Kilometer entfernt. Doch da in der einzigen grösseren Ortschaft, an welcher wir vorbeikamen alle Tankstellen noch zu hatte und wir auf Grund unserer Zeitberechnung nicht hätten warten können, blieb uns nichts anders übrig, als zu hoffen, dass irgendwo auf dem Weg noch eine Überraschungstankstelle auf uns wartete. Laut unserer Maps war dies leider nicht der Fall und so setzten wir alle Karten auf okonomisches Fahren. Dies ging eine Zeit lang gut, doch plötzlich war von der geteerten Strasse kaum was übrig. Riesige Schlaglöcher nach dem anderen tauchten auf und Michael blieb nichts anderes übrig als abzubremsen und Slalom zu fahren. Diese Strecke warf uns nicht nur bei unserer Benzinberechnung nach hinten, sondern auch bei der Zeitberechnenung. Die freudige Nervosität wandelte sich schlagartig in Anspannung um. An jeden anderen Tag hätte uns das passieren dürfen, einfach nicht heute!

Die Zeit wurde knapp, der Benzin wurde noch knapper und plötzlich wie aus dem Nichts tauchte eine alte, verlotterte Shell Tankstell auf, die sogar in Betrieb zu sein schien. Fürs Volltanken blieb keine Zeit, wir streckten dem Tankwart gerade so viel Pula hin, dass wir gut nach Maun fahren konnten und weiter ging die Fahrt. Glücklicherweise änderte sich auch der Strassenbelag zu unserem Gunsten, sodass wir um 10:27 (10:30 hätten wir dort sein müssen) vor dem Büro der Helikoptergesellschaft standen. Michael hatte doch noch tatsächlich den Mumm zu sagen: "I ha jo gset miar schaffen das Locker!".


Um 11 Uhr hoben wir dann mit einem munzig kleinen Helikopter ab und flogen über das Delta. Es wackelte wie verrückt in der Kabine doch es war wahnsinnig eindrücklich, dieses unglaubliche Gebiet von oben zu sehen. Auch die sonst so grossen Elefanten sahen von oben so klein aus, man musste sie schon fast suchen. Mitten im Busch setzten wir zur Landung an und unten wartete bereits unser Fahrer und Guide, welcher uns die nächsten Tage begleitete.


Im Camp angekommen verschlug es uns schon mal die Sprache. Natürlich hatten wir uns Fotos im Internet angeschaut, doch den ganzen Luxus live zu sehen, war halt schon etwas ganz anderes. Man brachte uns Getränke und erklärte uns wie das ganze hier abläuft und welche Sicherheitsvorkehrungen herrschen, da das Camp keinen Zaun hat. Anschliessend zeigte man uns unser "bescheidenes" Zelt. Ob das noch unter Camping geht, bezweifle ich jedoch. Da unsere Rucksäcke doch relativ gross sind und wir nur das nötigste mitnehmen sollten, beschlossen wir einfacher halber alles was wir für diese 3 Tage brauchten, in eine Einkaufstasche zu schmeissen. Ich gehe davon aus, dass wir die ersten Gäste in diesem Camp sind, welche so "minimalistisch" angereist kamen.



Nach einem leckeren Mittagessen und ein paar Gin Tonics (alles inklusive) gönnten wir uns ein kleines Nickerchen, bis es dann am späteren Nachmittag endlich auf Game Drive ging. Mit dem Auto fuhr wir kreuz und quer durch das Gebiet und genossen es einfach mal uns zurückzulehnen und uns nicht aufs Fahren konzentrieren zu müssen. Wir sahen diverse Tiere, darunter auch einige Löwen, viele Giraffen und Elefanten. Bei Sonnenuntergang richtete unser Guide einen schönen Apéro mit Wein, Gin Tonic und ein paar Snacks. Einfach traumhaft! Schnell wurde es anschliessend dunkel und mit einer starken Taschenlampe ausgestattet, entdeckte unser Guide immer wieder Tiere, welche zu dieser Zeit langsam aktiv werden. Anstatt zum Camp zurückzukehren, wartete Mitten im Busch eine riesige Überraschung für die Gäste. Die Angestellten hatten sich so richtig viel Mühe gegeben, haben alles liebevoll mit Laternen gedeckt und gesungen. Ein riesiges Feuer spendete uns Wärme und auch die Bar war bereits im Betrieb. An einem langen Tisch machten wir Bekanntschaft mit den anderen Gästen, welche praktisch alle aus Südafrika kamen. Anschliessend wurde wir mit einem richtig gutem Essen verwöhnt. Solche "Bushdinner" gibt es nur an wenigen Tagen und wir hatten halt mal wieder Glück, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Nach dem mehr als gelungen ersten Abend, begleitete uns unser Guide bis vor das Zelt und checkte mit seiner Taschenlampe die Umgebung ab. In der Nacht zuvor lang anscheinend vor dem Zelt zweier Südafrikaner ein Löwe. Dies ist auch der Grund weshalb es uns nicht erlaubt ist, in der Nacht alleine zum Zelt oder sonst wohin zu gehen. Natürlich haben auch wir auf einen schlafenden Löwen gehofft, doch leider war die Terrasse leer. Als wir aber frisch eingekuschelt im Bett lagen, kam ein Elefant auf Besuch und verschlang ein Ast nach dem anderen direkt vor unserem Zelt.

Pünktlich um 6 wurden wir geweckt. Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es zuerst auf Game Drive und anschliessend gab es einen Bush Walk, bei dem wir die Umgebung zu Fuss erkundeten. Es war sehr interessant die einzelnen Pfotenabdrücke den Tieren zuzuordnen und unser Guide versorgte uns mit zahlreichen Informationen über das Ess- und Jagdverhalten der Tiere. Nach einem Znüni und einem weiteren Game Drive gings dann wieder zurück ins Camp, wo auch schon das Mittagessen auf uns wartete. Anschliessend stand "Siesta" bis 15:30 auf dem Programm, bevors dann nach Kaffee und Kuchen wieder mit dem Auto in den Busch ging.


Abends waren wir dann nur noch zu sechst und beim Gespräch am Lagerfeuer kristallisierte es sich dann ziemlich schell heraus, dass wir mit Abstand die "ärmsten" Schlucker in der Runde waren. Mit zwei Jets und einer eigenen Lodge in Südafrika konnten wir nicht mithalten. Es stellte sich auch heraus, dass wir zwanzig Minuten zu früh zum Nachmittag Game Drive aufgebrochen waren. Kaum waren wir weg, wären drei Löwen um die Zelte geschlichen und haben nach Essen gesucht. Schade haben wir das verpasst.

Das Abendessen war wieder spitzenmässig und damit wir ja nicht frieren mussten, schaufelten die Angestelltem jedem Gast glühende Kohle unter den Stuhl. Sehr originell diese Art von Sitzheizung, das hätten wir in den letzten drei Wochen auch gebracht.



Früh morgens hörte ich draussen etwas natscheln, sodass ich schnell aus dem Bett sprang und nach schaute. Ein Elefant stand direkt hinter unserem Zelt und am Wasserloch ein wenig weiter standen noch mehr. Ich weckte Michael und so sassen wir dann nur mit Bademantel bekleidet auf der Terrasse und schauten diesen unglaublichen Kreaturen beim "Zmörgala" zu. Das war definitiv eines der Highlights!

Anschliessend gings dann mit vollem Magen auf Bootstour (Mokoro nennt man das hier). Wir genossen die Ruhe und entdeckten immer wieder Vögel, Frösche und Spinnen. Während des Znünis sagte der Guides plötzlich "Lions!". Und tatsächlich. Auf der gegenüberliegenden Seite de Flusses lagen wirklich drei Löwen im Grass und beobachteten uns. Zurück beim Auto gings dann auf Verfolgungsjagd, denn diese Löwen wollten wir uns nochmals von Nahem ansehen. Schon wenig später fanden wir sie dann unter einem Busch liegend. Plötzlich standen sie jedoch auf und liefen direkt auf uns zu. Ein ganz komisches Gefühl wenn man in einem komplett offenen Auto sitzt und ihre dünnen Bäuche (sie hatten schon lange nichts mehr zu essen) sieht. Diese Erlebnis war dann leider auch schon der Abschluss unseres Aufenthaltes im Gomoti Plains Camp. Nach einem kalten Savanna holte uns nämlich schon bald der Helikopter ab und flog uns zurück nach Maun. Was hatten wir doch für eine grossartige Zeit!





Kosten:

Für das Gomoti Plains Camp kann man zu "normalen" Zeiten (inkl. Essen, Getränke, Touren) gut 1400$ pro Person pro Nacht ausgeben. Dies wäre mit unserem Budget ganz klar nicht möglich gewesen. Wir hatten das grosse Glück, dass wir nur ein Bruchstück davon bezahlen mussten, nämlich 300$ pro Person pro Nacht. Auch dies ist auf jeden Fall ein stolzer Preis, aber was wir dafür bekommen haben, war es definitiv der Wert. So günstig und luxuriös wie wir haben wahrscheinlich nur die wenigstens das Okavango Delta erlebt. Hinzu kam dann natürlich auch noch der private Helikoptertransport (Round-Trip) für 280$ pro Person und Trinkgeld.

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