• Alessia Büchel

Natur pur in Tortuguero

Unsere letzte Station in Costa Rica war Tortuguero, eine Halbinsel an der Karibikküste, welche nur per Boot oder Flugzeug zu erreichen ist. Auf Grund des komplizierten Anfahrtsweges buchten wir eine dreitägige Tour mit Transport von San José, so wie es die meisten Touristen machen. Nachdem man uns um 6 Uhr in der Früh abholte, fuhren wir nach La Pavona, wo bereits ein Boot auf uns wartete und uns zur Lodge chauffierte. Nach der sechsstündigen Anreise, bezogen wir das Zimmer und bekamen unser Mittagessen. Viel Zeit zum Ausruhen blieb uns jedoch nicht, da bereits die erste Bootstour im Nationalpark auf dem Programm stand. Obwohl es ununterbrochen regnete, genossen wir die Ausfahrt sehr und konnten bereits unzählige Vögel, Eidechsen und Faultiere erblicken. Völlig durchnässt freuten wir uns natürlich wahnsinnig auf die heisse Dusche, die in unserem Zimmer auf uns wartete. Die Enttäuschung war dementsprechend gross, als dies nicht der Fall war. Auch bei den beiden anderen Pärchen, mit denen wir unsere Zeit hier auf Tortuguero verbrachten, kam nur kaltes Wasser und so fanden wir uns ziemlich schnell an der Rezeption wieder. Der Hotelmanager meinte nur, dass es bald repariert wird, konnte uns aber weder sagen wann genau das sein wird (Stunden, Tage?), noch entschuldigte er sich bei uns. Zum Wohle der anderen Gäste stürzte ich mich dann trotzdem unter die kalte Dusche. Zu allem Übel waren die beiden Shampoospender in der Dusche noch falsch beschriftet bzw. aufgefüllt, sodass ich mir statt Conditioner antibakterielle Handseife in die Haare schmierte. So durfte ich das ganze Prozedere nochmals durchlaufen. Frisch geduscht und mit Sicherheit den saubersten Haaren auf der ganzen Insel, ging es dann zum Restaurant, wo wir unser Abendessen serviert bekamen. Das Essen war okay, aber was uns ein wenig gestört hat war, dass es einfach nur ein Menü gab und das beinhaltete wie beim Mittagessen Reis und Bohnen (zwei Sachen von denen ich wirklich kein Fan bin). Als wir uns dann ins Bett legen wollten, entdeckten wir auf unserem Bettlaken zahlreiche orange Flecken. Mit dem nicht vorhanden Wlan in der ganzen Anlange (bis auf die Rezeption), brachte dies das Fass zum überlaufen. Wir suchten den Hotelmanager erneut auf und der meinte nur, dass diese Flecken vom Wasser kommen würden und man morgen das Laken auswechseln wird. Wieder gab es weder eine Entschuldigung, noch zeigte er Initiative das Problem zu beseitigen indem er uns ein anderes Zimmer oder Laken zur Verfügung stellte. Wir sind eigentlich wirklich nicht pingelig und haben auf unser Reise schon öfters kalt als warm geduscht, schliefen mehrmals in weniger hygienischeren Zimmern und hatten nicht das erste Mal tagelang kein Wlan. Der Unterschied hier war einfach, dass dies kein 20$ Hostel war, sondern uns eine Menge Geld gekostet hat und uns etwas ganz anderes versprochen wurde. Bevor wir uns dann ins dreckige Bett legten, schrieb ich unsere Reiseagentur mit was wir uns gerade herumschlagen mussten und wir uns das definitiv anders vorgestellt hatten. Mit wenig Hoffnung, dass sich dadurch etwas ändern wird schliefen wir dann ein.

Schon vor dem Frühstück um halb 6 stand am nächsten Tag bereits eine weiter Bootstour durch den Nationalpark an. Leider verlief auch dies nicht wie verhofft, denn anscheinend standen Michael und ich nicht auf der Liste. Trotz des Vouchers und der Bestätigung der Touragentur liess man uns nicht rein und wir wurden wieder zurück zum Hotel gebracht. Dort gab man uns zwei Ersatztickets, sodass wir eine Stunde später dann trotzdem noch mit der Rundfahrt starten konnten. Die Bootsfahrt selber war einfach unglaublich und Michaels Kamera lief auf Hochtouren. Auch der Guide wusste über alles Bescheid und unterhielt uns mit interessanten Fakten und lustigen Geschichten. Anschliessend ging es kurz zurück ins Hotel um unsere Mägen zu füllen, bevor die Tour durch die Flussarme des Tortuguero Nationalparks weiterging. Den ganzen Vormittag über hatten wir Sonnenschein und konnten uns vom "Wildlife" kaum satt sehen. Bis auf den Jaguar und Tapir hatten wir wahrscheinlich jedes Tier gesehen, das hier auf Tortuguero lebte. Als wir dann gegen Mittag zum Hotel zurückkehrten, staunten wir nicht schlecht, als der Hotelmanager plötzlich sehr interessiert daran war, wie es uns ging und uns zudem noch Getränke spendierte. Da wurde wohl jemanden Feuer unter dem Hintern gemacht.

Nachdem wir den Nachmittag am Pool verbrachten, zogen wir mit den beiden anderen Pärchen gegen Abend am Strand entlang auf der Suche nach Schildkrötenbabys. Überall waren riesige Löcher und Eierschalen zu sehen, doch leider keine frisch geschlüpften Tiere. Plötzlich erblickte Michael einen Vogel der wie wild auf etwas Kleinem herumpickte und rannte darauf los. Es war tatsächlich eine Babyschildkröte, die er aus dem Schnabel des Vogels gerettet hatte. Leider war das arme Tier sehr schwach und konnte sich kaum von selbst fortbewegen. Doch da Schildkröten nicht alleine schlüpfen, hatten wir die Hoffnung ganz in der Nähe noch mehr zu finden. Tatsächlich stiessen wir auf ein ganzes Nest voller seltener Karettschildkröten, die es nicht erwarten konnten sich ins Meer zu stürzen. Um sie von den gierigen Vögel und Hunden zu schützen, eskortierten wir sie vom Nest bis ins Meer. Es war unglaublich diesen kleinen süssen Tieren zuzusehen wie sie ins Meer rannten. Leider ist die Überlebenschance, auf der Grund der vielen Feinde am Strand aber vor allem auch im Wasser, sehr gering. So schafft es laut Statistik nur 1 von 1000. Wir haben aber die Hoffnung, dass durch unsere Rettungsaktion vielleicht zwei oder drei dem Tod entkommen sind. Da vor dem Abendessen noch eine Froschtour auf uns sechs wartete, mussten wir leider mit dem "Gottspielen" aufhören und uns zurück zum Hotel begeben.

Nachdem wir unzählige Frösche in allen Farben und Formen entdeckten, konnten wir unseren Augen kaum trauen als wir ins Restaurant traten und dort ein kleines Buffet aufgestellt war. Kaum hatten wir uns an den Tisch gesetzt, stand bereits der Hotelmanager neben uns, spendierte uns wieder ein Glas Wein und fragte nach unserm Befinden. Genüsslich verschlag ich meine Pasta und war mehr als zufrieden, dass sich das "Motzen" gelohnt hat.




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