• Alessia Büchel

Safari: Serengeti und Ngorongoro

Aktualisiert: 22. Aug. 2020

Ein Tag nach unserer Ankunft in Mwanza besuchten wir den "Serengeti Ben" bei dem ich bereits vor fünf Jahren meine Safari gebucht hatte. Wir hatten genaue Vorstellungen wie wir die Zeit in der Wildnis verbringen wollten, nämlich zwei Nächte in der Serengeti und eine Nacht auf dem Ngorongorokraterrand. Um das Ganze ein wenig abenteuerlicher zu gestalten und um unseren Geldbeutel zu schonen, war für uns klar, dass es eine Campingsafari wird. Ben rechnete alles zusammen und kam auf 5,5 Millionen Tansanische Schilling, das sind ca. 2240$. Da sich heute gerade einmal nicht 5,5 Millionen in unserem Portemonnaie befanden, wollten wir das Ganze mit der Kreditkarte bezahlen. Und siehe da: es funktionierte natürlich nicht. So machten wir uns auf den Weg zum nächsten ATM und versuchten dort unser Glück. Da Michael, der Bänker, vergessen hat seine EC Karten für Afrika freizuschalten, war es nun an mir an Bares zu kommen. Das grosse Problem an diesen tansanischen Geldmaschinen ist, dass sie auf kleine Beträge eingestellt sind, sodass der höchste abzuhebende Betrag 400`000 TSh ist. Wer nun in der Schule keinen Fensterplatz hatte, kann sich jetzt ausrechnen wie oft wir unsere Karte in den Schlitz stecken und den PIN eingeben mussten. Nach einer halben Stunde, als das Ende nach 4,4 Millionen Schilling (also 11 x Karte rein, warten, PIN eintippen, warten, Betrag eintippen, warten, Betrag bestätigen, warten, Karte entnehmen, warten, Geld entnehmen) in Sicht war, schluckte der Automat plötzlich meine Karte. Da es kurz vor Feierabend war, liefen wir schnell zur Bank wo man uns sagte, dass sie im Moment nichts machen können, wir aber doch morgen nochmals vorbeischauen sollen. Wir brachten daraufhin den ca. 8 cm hohen Stapel an Geldscheinen zu Ben und versicherten ihm, dass der Rest am nächsten Tag folgen würde. Glücklicherweise hat am darauffolgenden Tag alles geklappt, auch wenn es sehr zeitintensiv war bis ich die Karte endlich wieder in der Hand hielt.

Tag 1

Am Montagmorgen holte uns Emanuel (Guide und Fahrer) und Emanuel (Koch) in Malimbe ab und es ging zuerst einmal shoppen. Es ist anscheinend so üblich, dass die Besorgungen für die Safari nicht im Vornherein, sondern auf dem Weg erledigt werden. So stoppten wir beim Markt, beim Metzger, bei der Tankstelle und beim Reisverkäufer bis es dann endlich Richtung Serengeti ging. Am Gate angekommen, wollten wir unser Mittagessen einnehmen, doch dies war gar nicht so einfach. Die frechen Äffchen standen nämlich schon in den Startlöchern und warteten nur noch darauf, ein Stück davon abzubekommen. Innerhalb von wenigen Sekunden wurden wir von ihnen umzingelt und plötzlich sprang einer auf uns zu und zerriss meinen Papiersack. Glücklicherweise konnte ich die Chapatis gerade im letzten Moment vor dem Dieb retten. Irgendwie schafften wir es dann doch noch unsere Mägen zu füllen und anschliessend endlich mit der Safari zu starten. Bereits 100 Meter nach dem Parkeingang begrüssten uns majestätische Giraffen, welche wir ohne unseren Guide völlig übersehen hätten. Weiter ging es dann ins "Lions Territory", wo dann unser Toyota Land Cruiser plötzlich schlapp machte und nicht mehr starten wollte. Zwar waren keine Löwen in Sicht, doch die drei Büffel ganz in unserer Nähe waren Emanuel gar nicht geheuer. Leise schlich er sich aus dem Wagen und öffnete die Motorhaube während der Koch den Funk überprüfte. Zum guten Glück war das Problem nach ein paar gekonnten Handgriffen von unserem Guide behoben und wir konnten weiterfahren. Emanuel erzählte uns danach, dass er bei einer seiner letzten Tour in einer ähnlichen Situation war und von Büffeln angegriffen wurde. Er hätte ihnen nur knapp entkommen können und nun sehr viel Respekt vor diesen Tieren, da sie unberechenbar und zum Teil sehr aggressiv sind. In der Abenddämmerung fuhren wir dann Richtung Campingplatz und liessen im Auto den Tag mit den unzähligen Zebras, Antilopen, Gnus und den zwei Löwen Revue passieren. Dort angekommen konnten wir unser Glück kaum fassen: Der ganze Platz gehörte nur uns (und natürlich den Tieren)! Wir richteten das Zelt ein und machten uns anschliessend auf den Weg zum "Speisesaal", wo uns eine Hyäne über den Weg lief. Auf die Frage, ob es in der Nacht hier sicher sei, meinte Emanuel: "Yes sure it's save, but maybe there is a lion crossing the campingsite. So it's important to watch out when you leave your tent." Wir liessen diese Antwort fürs Erste einfach mal stehen und genossen unser Abendessen: Suppe, Pommes, Salat und T-Bone Steak. Da der Campingplatz weder Zaun noch Wächter hatte, suchten wir die Toiletten am Abend immer gemeinsam auf, sodass der Schnellere (also ich) bei einem Raubtierangriff einen Video für unsere zahlreichen "Followern" auf Instagram machen kann. Dazu kam es aber glücklicherweise dann trotzdem nicht. Es war einfach ein unglaubliches Gefühl im Zelt zu liegen und die Tiere rundherum zuhören. Das Löwengebrüll war so laut, dass wir uns sicher waren: Diese Katze steht direkt neben unserem Zelt. Trotz der vielen Naturgeräusche schliefen wir schnell ein und freuten uns schon riesig auf den kommenden Tag.

Tag 2

Um 5:15 holte uns der Wecker aus dem Tiefschlaf und wir schlüpften aus unseren Schlafsäcken. Nach einem grossartigen Frühstück mit Pancake, Rührei, Toast, Kartoffelpuffer und Früchten ging es um 6 endlich los. Schon nach kurzer Zeit entdeckten wir Löweneltern die sich im Gras ausruhten und vier herumtollende Babylöwen. Schon dort wussten wir, dass dies ein grossartiger Tag wird. Was wir aber alles in den nächsten 12 Stunden erlebten, kann man kaum in Worte bzw. in passende Sätze fassen. Deshalb liste ich die Highlights einfach einmal auf:

-insgesamt um die 50 Löwen gesehen

-eine riesige Elefantenherde und anschliessend noch ein paar kleinere Herden beobachtet (sicher insgesamt 100 Dickhäuter)

-durch eine Büffelherde gefahren (unser Guide gab jedes Mal Gas wenn er diese Tiere erblickte, sodass uns kaum Zeit zum fotografieren blieb)

-kurz vor der Rückkehr ins Camp einen Leoparden auf einem Baum entdeckt

-ein "Black Rhino" erspäht, eines der seltensten Tieren in der Serengeti

-unzählige Gnus, Zebras, Giraffen, diverse Antilopenarten, Erdmännchen, Hyänen und Vögel gesehen

Am Besten schaut ihr euch die Videos und Fotos an und lasst das Ganze auf euch wirken. Wer sich nach diesem Augenschmaus nicht auch nach einer Safari sehnt, sollte sich eventuell professionelle Hilfe suchen. Zusammengefasst kann man sagen, dass dieser Tag einfach vollkommen war und Michaels Augen noch nie zuvor so geleuchtet haben wie dort. Aus diesem Grund konnten wir auch darüber hinwegsehen, dass wir das Camp bei unserer Rückkehr mit drei weitern Autos teilen mussten und in der Nacht anstatt Löwengebrüll nur schwatzende Franzosen hörten.

Tag 3

Unser Tag startete wieder früh am Morgen und beim Frühstücken hörten wir wie jemanden erzählte, dass es sich in der Nacht ein Löwe direkt neben den Toiletten bequem gemacht hat. Immer noch überwältigt vom Vortag setzten wir uns in den Wagen und genossen den wunderschönen Sonnenaufgang. Uns war bewusst, dass die gestrigen Ereignisse heute sicher nicht getoppt werden können und dennoch gaben wir die Hoffnung nicht auf, etwas Spektakuläres zu erleben. Unser positive Einstellung machte sich schon nach kurzer Zeit bezahlt. Hautnah konnten wir eine Gepardenmutter beobachten, wie sie ihre vier Babys vor einer Hyäne beschützte und anschliessend eine Antilope jagte. Mittags holten wir dann unseren Koch vom Camp ab und fuhren Richtung Osten. Am Ausgang angekommen warfen wir von einem Aussichtspunkt noch einen letzten Blick auf die Serengeti zurück und konnten in diesem Moment gut nachvollziehen weshalb die Maasai dieses Gebiet so genannt haben. Es heisst nämlich auf Deutsch übersetzt nichts anderes als "endlose Ebene". Bevor es hoch zum Kraterrand ging, stoppten wir bei einem Maasaidorf. Dort bekamen wir eine Führung und somit einen kleinen Einblick in das Leben dieses Volkes. Sie leben als Nomaden und bleiben nur solange an einem Ort, bis es kein Futter mehr für die Kühe und Ziegen hat. Die Tiere spielen bei diesem Volk eine sehr grosse Rolle. Denn je mehr Tiere ein Mann besitzt desto mehr Frauen darf er heiraten, während eine Frau nur einen Mann haben darf. Die Ernährung ist auch sehr gewöhnungsbedürftig. So dürfen sie nach ihrer Tradition nur Blut, Fleisch (nur von den eigenen Tieren, nicht von Wildtieren), Milch und Wasser zu sich nehmen. In unseren Breitengraden würde man von einem "Keto Lifestyle" sprechen. Wer sich nun überlegt auch auf eine ketogene Ernährung umzusteigen, aber daran zweifelt ob man damit auch wirklich abnimmt: Alle Maasai die wir bis jetzt gesehen haben waren gross und schlank. Nach dem Besuch der "Kindergartenschule" des Dorfes, machten wir uns auf den Weg zum Simba Campingplatz am Ngorongorokraterrand. Da unsere Übernachtungsstätte rund 2300 mÜM lag, packten wir als erstes unsere Jacken und Pullover aus bevor wir es uns im "Speisesaal" gemütlich machten. Die Nacht war zum Glück gar nicht so schlimm wie ich anfangs befürchtet habe. Das liegt aber bestimmt auch daran, dass ich ziemlich alle Kleidungsstücke, die ich besass, übereinander angezogen hatte und hundemüde war.

Tag 4

"Der Frühe Vogel fängt den Wurm", hiess es auch am letzten Safaritag. Als wir aus dem Zelt krochen, staunten wir nicht schlecht als wir die vielen Zebras auf dem Campingplatz sahen. Gemütlich grasten sie um die Zelte herum und liessen sich durch nichts und niemanden ablenken. Ein dichter Nebel hing auf dem Kraterrand, sodass Emanuel praktisch blind in den Krater hinein fahren musste. Unten angekommen, war die Sicht dann aber wieder ganz klar. Der Ngorongorokrater ist mit seinen 264 km2 mehr als 1,5 mal so gross wie Liechtenstein und hat die grösste Raubtierdichte Afrikas. Als erstes fuhren wir durch den Wald, da wir hofften eines der 15 hier wohnhaften Spitzmaulnashörner zu entdecken. Leider haben sich diese bedrohten Tiere so gut versteckt und getarnt, dass nicht einmal unser Guide eins sah. Dafür konnten wir wenig später einen Löwen im Gras beobachten, der ziemlich interessiert die vorbeistolzierenden Zebras fokussierte. Der Hunger musste jedoch nicht all zu gross sein, denn für einen Sprint war er zu faul. Gegen Mittag verabschiedeten wir uns vom Krater, der während der Regenzeit wie der Garten Eden aussieht und holten unseren anderen Emanuel im Camp ab. Pünktlich um 1 Uhr (ein Parkeintritt ist immer genau für 24h gültig) verliessen wir den Ngorongoro Nationalparkt und fuhren nach Arusha. Fix und fertig konnten wir uns nun nichts Schöneres vorstellen als eine Dusche und frische Kleidung, was wir dann in unserm Hostel auch bekamen.



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