• Alessia Büchel

Last but not least

Dank der überarbeiteten BAG Liste (praktisch alle Länder wurden von der Liste entfernt) können wir doch noch nach Ägypten reisen. Zwar waren wir bereits ein- bzw. zweimal in Sharm El-Sheikh am Roten Meer, doch die Pyramiden und die restlichen archäologischen Stätten hatten wir beide noch nicht gesehen. So gings dann von Windhoek über Johannesburg nach Kairo, die bevölkerungsreichste Stadt Afrikas.


Dass Kairo nicht mit der schönen Berner Altstadt zu vergleichen sein wird, war uns klar, dass dieser Ort jedoch so übel aussieht, hat uns schon ein wenig schockiert. Vom Flughafen aus gings mit dem Taxi eine Dreiviertelstunde lang zwischen halb abgebrochenen Wohnblöcke hindurch bis nach Gizeh. Auch hier waren die Häuser in einem desolaten Zustand und die Strassen voller Abfall. Direkt vor unserem Hotel befand sich dem Anschein nach die "Pferdestation", an welcher Tier an Tier angekettet war und auf Touristen warteten. Die Pferde waren in einer wirklich schrecklichen Verfassung, man konnte kaum hinsehen. Jede Rippe war ersichtlich, es glich fast an einem Wunder, dass diese Tiere in der brühend heissen Mittagssonne noch stehen konnten.

Von der Dachterrasse unserer Unterkunft hatten wir einen grossartigen Blick auf die berühmten Pyramiden und konnten abends die Lichtshow bei einem (unfreiwillig) alkoholfreien Mojito und einer Shisha geniessen.


Für den nächsten Tag hatten wir eine achtstündige Privattour gebucht, um nicht nur mehr über die Pyramiden sondern auch über die alten Fundstücke, welche im National Museum liegen, zu erfahren. Morgens um acht holte man uns ab und es ging zuerst einmal zu den riesigen Bauten. Die Hitze war bereits um diese Uhrzeit kaum zu ertragen, doch der Anblick der Steinklötze, welche Schicht für Schicht aufeinandergestapelt wurden, macht es wieder wett. Im Hinterkopf hat man die ganze Zeit, dass alles was man hier sieht, von Menschenhand erbaut wurde ohne irgendwelchen Maschinen und so ist das Ganze gerade noch eindrücklicher. In die Pyramiden selber gingen wir nicht rein, da sich die Schätze und Sarkophage sowieso nicht mehr darin befanden und wir diese anschliessend im kühleren Museum bestaunen konnten. Während die Pyramiden wirklich riesig waren, schien die Sphinx dagegen mickrig, also ganz anders als es im Asterix und Obelix Comic gezeigt wird. Zudem stellt diese Figur gar keine Frau sondern einen Pharao dar. Wieder etwas dazu gelernt!



Nach einem kurzen Besuch im Papyrusmuseum, gings weiter in Kairos Innenstadt zum National Museum. Was uns dort erwartete, war einfach nur der Wahnsinn! Dieses Gebäude als Museum durchgehen zulassen, ist schon fast untertrieben, denn im Wahrheit war es eine riesige Lagerhalle vollgestopft mit ägyptischen Antiquitäten. Bis auf die Mumien und kleineren Schmucksachen war kaum etwas in einer Vitrine verschlossen. Man konnte also alles aus nächster Nähe betrachten. Skulptur um Skulptur reihten sich in den Gängen, die Wände waren praktisch mit Hieroglyphentafeln tapeziert und im oberen Stock konnte man nicht nur in das Gesicht eines mumifizierten Pharaos sehen, sondern auch diverse mumifizierte Tiere betrachten. Es war einfach der Wahnsinn was hier alles ausgestellt wurde und vor allem wie gut alles nach so vielen tausend Jahren erhalten ist. Das Highlight war bestimmt die berühmte goldene Totenmaske von Tutanchamun, welche sich jedoch in einem separaten und abgesicherten Raum befand. Hier war das Fotografieren aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt, aber Google wird euch Abhilfe verschaffen. Nach einem kurzen Besuch auf dem Bazar und einem leckeren ägyptischen Mittagessen, gings dann wieder zurück ins Hotel, wo wir uns fix und fertig ins Bett fallen liessen.


Am darauffolgenden Tag machten wir uns abends auf den Weg zum Bahnhof in Kairo. Der Schlafzug für 80$ pro Person fanden wir zu teuer und so entschieden wir uns mit dem normalen Zug, jedoch in der ersten Klasse, für nicht mal 12$ nach Assuan zu reisen. Am Bahnhof herrschte ein einziges Chaos und obwohl ich mir nach etlichen Jahren pendeln mit der SBB die Bahnhofabläufe in- und auswendig kenne, war ich hier masslos überfordert. Das Problem war hauptsächlich, dass alles auf arabisch angeschrieben war. Obwohl ich mir die arabischen Zahlen in Voraus auf dem Handy notiert hatte, half mir das nicht viel, da die Orte auf der Anzeigetafeln halt auch alle mit geschwungenen Linien und Punkten dargestellt wurden. Irgendwie gelang es uns dann doch, das richtige Gleis zu finden. Bevor die lange Zugfahrt losging, wollten wir uns beim Kiosk noch eine Sprite kaufen. 12 Pfund verlangte der Verkäufer dafür und da ich es nicht genau hatte, gab ich ihm zwanzig und wartete auf das Rückgeld. Er meine er habe nicht genug Wechselgeld und drückte mir eine kleine Packung Kekse in die Hand. Zwar wusste ich, dass diese weniger als 8 Pfund wert waren, dennoch war ich gewillt das anzunehmen. Plötzlich kamen aber immer mehr Menschen zum Kiosk und redeten auf mich ein. Der Verkäufer behauptete dann ich würde ihm noch weitere 10 Pfund schulden. Es war ein einziges hin und her, einfach ein riesiges Geschrei und Geldwechslerei. Irgendwann wurde mir das Ganze zu blöd und verlangte meine 20 Pfund zurück. Auch Michael verlor beinahe die Nerven, ich konnte ihn nur noch mit Mühe zurückhalten bevor es komplett eskalierte. Das Ganze war ganz klar eine Betrugsmasche, bei der man den Käufer bzw. Touristen solange verwirren möchte, bis er nicht mehr weiss, ob er schon bezahlt hat oder nicht. Doch schlussendlich hatte er sich damit ins eigene Fleisch geschnitten, denn für die Sprite bezahlte ich am Ende doch nur 10 Pfund. Selber schuld wenn man sich mit mir anlegt! (Ach ja, wir reden bei 10 Pfund um 60 Rappen. Natürlich ging es mir hier nicht ums Geld sondern rein ums Prinzip!)

Wir waren die einzigen Touristen weit und breit auf dem Bahnsteig und wurden nicht gerade unauffällig von oben bis unten gemustert. Ein Vater lief uns die längste Zeit nach und irgendwann hatte er dann endlich den Mut uns zu fragen, ob wir mit seinen beiden Söhnen noch ein Foto machen könnten. Natürlich liessen wir das zu und es ging nicht lange da kam schon der nächste, der ein Selfie mit uns wollte. Es war ein komisches Gefühl, denn sobald wir irgendwo standen, kamen nach und nach mehr Menschen dazu. Als der Zug einfuhr tauchte dann plötzlich auch noch ein Polizist auf, der geradewegs auf uns zu kam. Wir wussten in diesem Moment nicht, ob dies nun ein gutes oder schlechtes Zeichen war. Schlussendlich war es ein gutes, denn er bahnte uns einen Weg zum richtigen Zugabteil und achtete darauf, dass uns niemand zu nahe kam. Wir waren dann schon recht froh, als wir unseren Sitzplatz hatten und der Zug endlich losfuhr. Die Sessel waren richtig breit und bequem, auch bei der Beinfreiheit gabs nichts zu meckern. Man merkte jedoch, dass der Wagon uralt war und die letzte Reinigung bestimmt auch schon ein paar Wochen her war.


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