• Alessia Büchel

Jamaika - Erster Eindruck: Enttäuschend

Ja, richtig gelesen, bis jetzt hat uns Jamaika nicht wirklich überzeugt. Unser zweistöckiges Appartement direkt am Strand mit Dachterrasse und Pool ist zwar spitze und auch das Meer ist ein einziger Traum. Doch mit was wir bis jetzt gar nicht klar kommen sind die Menschen und deren Lebensweise. Wir reisten mit der Vorstellung in dieses Land, dass durch den Glauben der Rastafaris alles sehr "gechillt" ist und man Materiellem nur wenig Bedeutung schenkt. Was wir aber bis jetzt erlebt haben, ist das komplette Gegenteil. Weder die gepredigte Naturverbundenheit, noch die Liebe ist hier spürbar, alles dreht sich ausschliesslich ums Geld. Auch von Umweltschutz haben hier nur die Wenigsten was gehört.

Angefangen bei den Stränden: Praktisch alle Strände sind privatisiert und man muss Eintritt zahlen (5 - 20$) um in den Sand zu liegen. Die wenigen öffentlichen Strände die es gibt, wurden abgesperrt und dürfen nur mit einem "Guide" (der logischerweise auch Geld möchte) durch ein Loch im Zaun betreten werden. Dazu kommt, dass die schönsten Strandabschnitte dermassen zugemüllt werden und sich niemand darum schert. Die Leute sitzten lieber zu zehnt kiffend am Zauneingang und warten bis sie einem Tourist eine "Tour" zum 20 Meter entferntem Meer verkaufen können, anstatt einmal einen Müllsack in die Hand zunehmen.

Weiter geht es mit den Touren, deren Preise überhaupt nicht im Verhältnis zum Gebotenen liegen. Jamaika hat naturmässig viel zu bieten, doch wie das Ganze an den Tourist gebracht wird, finde ich eine Frechheit. So ist beispielsweise die Biolumineszenz Phänomen etwas, was es nur an wenigen Orten auf der Welt in dieser Ausprägung gibt und man es einfach einmal sehen muss, wenn man schon da ist. Man steigt mit 20 anderen Personen in ein Holzboot, fährt 150 Meter in die Lagune hinein, hält für 30 Minuten an um das Leuchten zu beobachten, fährt wieder zurück und ist 50$ los. Wir geben ja liebend gern Geld für spezielle Erlebnisse aus, doch schlussendlich hat man uns einfach eine 300 Meter lange Bootsfahrt geboten und das steht in keinem Verhältnis zum Preis. Es scheint auch so, als hätten die Leute hier gar keinen Drang ihr Angebot zu verbessern bzw. mehr aus dem von "Gott" in den Schoss gelegten Plätzen rauszuholen und den Besuchern wenigstens das Gefühl zu geben, dass sie das Geld sinnvoll investiert haben. Auch bei den beiden anderen Ausflügen (Nine Miles und Blue Hole) gingen wir mit dem Empfinden nach Hause, dass wir gerade übelst abgezockt wurden und konnten uns gar nicht richtig über das Erlebte freuen.




Blue Hole

Da wir die ersten bei der Blue Hole in Ochos Rios sein wollten, nahmen wir früh morgens die 1,5 stündige Anfahrt auf uns. Kaum angekommen schwirrten bereits drei Menschen um unser Auto. Die eine wollte uns Wasserschuhe andrehen und behauptete, dass es Pflicht wäre diese zu tragen, der andere gab sich als Guide aus, welchen man auch buchen muss wenn man zu den Wasserfällen möchte und der dritte wollte den Eintritt einkassieren. Wir waren zuerst einmal überfordert, da wir keine Ahnung hatten was stimmt und was nicht. Es war auch nirgends eine Tafel zusehen, wo draufsteht was gilt, was ich für eine so berühmte Touristenattraktion sehr schwach finde. Die Schuhverkäuferin konnten wir glücklicherweise abwimmeln und auf Nachfrage was der Guide denn verlangen würde, bekamen wir nur folgende Antwort: "Ehy man, don't talk about money. I love nature, we are all one people and I want you to be happy. You give me what your heart says." Obwohl wir uns sicher waren, dass wir fähig sind diese Wasserfälle auch ohne Führer zu besichtigen, liess er sich nicht abwimmeln. 20$ pro Person zahlten wir Eintritt und waren tatsächlich die ersten (und bis wir gingen die einzigen), welche an diesem Tag zu den verschiedenen Pools und Wasserfällen hochstiegen. Wie bereits vermutetet war es ein ganz normaler Weg, welchen wir auch ohne die Hilfe eines Guides entlang laufen hätten könnten. Das Wasser war wirklich der Oberhammer und wäre da nicht unser nervige Führer gewesen, hätten wir die Zweisamkeit noch mehr geniessen können. Er hatte eine starke Alkoholfahne, war völlig bekifft und zog sich auch während der "Tour" einen Joint rein. Zudem wiederholte er ständig die gleichen Sätze und redetes ununterbrochen wirres Zeug. Die einzig brauchbare Information die wir von ihm bekamen war, dass vor Corona täglich um die 500 Menschen diesen Ort besuchten. Obwohl uns der Guide bis zum Ende keinen Mehrwert (im Gegenteil, er hat uns Erholungszeit geraubt) brachte, entschlossen wir ihm gütiger Weise trotzdem umgerechnet 9$ Trinkgeld zu geben. Doch bevor wir überhaupt dazu kamen, forderte er 30$ für die Tour. Von "Liebe" und "aufs Herz hören" war anscheinend nicht mehr viel übrig geblieben. Nach einer langen Diskussion und Erklärung unsererseits, weshalb wir ihm sicher nicht so viel Geld geben werden, stellten wir ihn vor das Ultimatum: entweder nimmst du diese 9$ oder wir fahren jetzt los und du bekommst gar nichts. Wütend riss er mir das Geld aus der Hand. Dankbarkeit sieht definitiv anders aus.

Und um auch hier bei diesem Ausflug auf den Punkt Umweltverschmutzung zurückzukommen: Überall lagen Glas- und Plastikflaschen herum und keiner der fünf Angestellten, welche am Eingang herumsassen, kam auf die Idee etwas für ihren Lohn zu tun und aufzuräumen. Gerade jetzt wo so wenig los ist, könnte man doch einmal aufräumen, die Geländer neu befestigen und das Ganze mit wenig Aufwand und Geld aufwerten. Ich finde es einfach schade, dass man nicht mehr Sorge zu einem so schönen Ort hält.


Wie bereits gesagt, hat uns Jamaika bis jetzt eigentlich enttäuscht. Mir ist bewusst, dass dies auch für die Leute hier eine schwierige Zeit ist und die meisten hier nicht viel haben. Doch ich finde gerade deshalb sollte man sich zusammenreissen und das Beste aus der Situation machen, denn schlussendlich schneiden sie sich durch ihr Verhalten ins eigene Fleisch. Wir sind nicht geizig und hätten dem Guide bei Blue Hole auch sicher mehr gegeben, wenn er in irgendeiner Weise eine Leistung gezeigt hätte. Doch jemanden fürs Nichtstun Geld zugeben, das sehe ich einfach nicht ein. Klar wurden wir auch in anderen Ländern übers Ohr gehauen, doch nirgendwo haben wir uns so abgezockt gefühlt wie hier. Während man in Afrika und Lateinamerika Grossteils das Prinzip: "zufriedenen Kunden = gute Bewertung/Weiterempfehlungen = mehr Kunden in der Zukunft" verstanden hat, schert sich hier niemand darum. Schade, für sie.

Mir ist bewusst, dass nicht alle Jamaikaner so sind und dass es sicher auch sehr "schaffige" Leute gibt. Leider durften wir solche bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht kennenlernen. Doch da wir heute die touristische Montego Bay / Ochos Rios Area verlassen werden, um den Rest des Lamdes zu erkunden, sind wir guter Dinge, dass wir trotzdem noch das richtige Jamaika erleben dürfen. ricdasstrotzdem in guter Erinnerung behalten können.

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