• Alessia Büchel

Buenos días Ciudad de México

Dass meine blaue Wärmejacke das meistgebrauchte Kleidungsstück in Mexiko City sein würde, hätte ich nicht gedacht. Ich war noch nie in Mexiko und kannte dieses Land nur von Fotos und Filmen, in welchen immer noch einen gelben Filter darauf gelegt wird, um die anhaltende Hitze zu betonen. Die mexikanische Wärme werden wir sicher im Süden noch zu spüren bekommen, doch Mexiko Stadt selber liegt auf 2250 Metern (der höchste Berg in Liechtenstein hat eine Höhe von 2599 Metern) und hat dadurch nur eine Durchschnittstemperatur von ungefähr 20 Grad. Eine weitere überraschende Tatsache ist, dass Mexiko Stadt jährlich bis zu 15cm sinkt und somit hier viele Gebäude richtig schief in der Weltgeschichte herumstehen.

Es ist eine ganz besondere Stadt mit vielen interessanten Aspekten und wir haben uns ziemlich schnell mit ihr angefreundet. Vor allem im Punkto Essen, kann ihr keiner was vormachen. Wohin das Auge reicht sieht man Taquerias und Essenstände mit diversen mexikanischen Spezialitäten. Jeden Tag haben wir die Qual der Wahl, wo wir unser Energievorrat aufstocken werden. Aber auch Dessertmässig hat man uns hier überzeugt. Normalerweise bin ich kein grosser Fan von Brot und Süssgebäck im Ausland, aber die mexikanischen Bäckereien sind wirklich, wirklich gut. So stehen nun Churros, Donuts oder Muffins auf unserem täglichen Speiseplan. Dass ein Grossteil der Bevölkerung mit Übergewicht zu kämpfen hat, verwundert mich deshalb überhaupt nicht. Das Frühstück hingegen ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Da wir auf Tortillas und das Hühnchen gezeigt haben, rechneten wir mit einen Hühnchen Wrap und sagten einfach mal "Si, si ", wenn man uns was fragte. Schlussendlich bekamen wir einen Korb mit Tortillas und eine riesige Schüssel voll Suppe mit einem ganzen Hühnchenbein drin. Naja, so als Abendessen wäre es sicher lecker gewesen .

Da uns Mexiko City gut gefallen hat und am 16. September der Nationalfeiertag der Mexikaner gefeiert wird, haben wir uns entschlossen noch ein wenig länger zu bleiben. Es sollte anscheinend eine Parade geben, doch irgendwie haben wir das verpasst. Alles was wir miterlebt haben war, dass es von Polizei und Militär nur noch so wimmelte und dass die gesamte Innenstadt abgeriegelt wurde. Man stellte nicht einfach Zäune hin, nein, es wurden richtig hohe Wände in die Gassen gezogen und bei jedem Durchgang standen mindestens drei Reihen Polizisten. Überall hörte man Sirenen und jedes zweite Auto war mit Policía beschriftet. Ob diese Polizeipräsenz am Feiertag lag oder ob das in Mexico City Alltag ist, wissen wir nicht genau. Auf jeden Fall haben wir uns hier immer sehr sicher gefühlt und sind auch nie in eine kritische Situation geraten. Das liegt aber sicher auch daran, dass wir uns im Voraus informiert haben, um welche Viertel man einen grossen Bogen machen sollte.


Isla de las muñecas (= Insel der Puppen)

Schon vor längeren Zeit kam bei Galileo eine Reportage über diese Insel und wir waren uns einig, dass wir diese eines Tages besuchen werden. Richtige Touren zur Puppeninsel fanden wir nicht und so fuhren wir mit Uber nach Xochimilco und suchten dort ein Boot, dass uns dort hinbringen sollte. Die Preise für die Bootsfahrt sind jedoch nicht pro Person, sondern pro Boot (Platz für 18 Personen). Da wir die einzigen waren mit diesem speziellen Ziel, mussten wir Wohl oder Übel den gesamten Betrag alleine bezahlen. Die Strecke auf Google Maps hat nicht wirklich lang ausgesehen, deshalb waren wir sehr überrascht, als man uns sagte, dass die Bootsfahrt 2h dauern würde. Als wir dann losfuhren, wurde uns auch klar wieso. Das Boot besass nämlich keinen Motor, sondern wurde nur durch einen langen Stock vom Fährmann angeschoben. Auf dem Weg zur Isla de las muñeca kamen wir an einer "fake" Puppeninsel vorbei, von welcher man uns schon im Internet gewarnt hat. Zum Teil werden Touristen zu dieser Insel gefahren, da sie viel näher ist. Also: Falls ihr nur ca. 50 Minuten auf dem Boot seid und zu einer schwarz umzäunten Insel kommt, hat man euch übers Ohr gehauen. Auf dem Rückweg haben wir sogar noch eine Insel gesehen, welche voller aufgehängten Plüschtieren war. Auch diese Insel ist mit Sicherheit ein Fake. Die wahre Puppeninsel ist mit Bambus umzäunt und man bekommt beim Eingang eine laminierte Eintrittskarte. Es war wirklich sehr eindrücklich und schon ein wenig gruselig die vielen verwitterten Puppen und Puppenteile an den Bäumen zu sehen. Anscheinend wurde 1951 die Leiche eines kleines Mädchens auf die Insel gespült und von Julián Santana Barrera gefunden. Er geriet in Panik und fühlte sich ab diesem Zeitpunkt von dem Geist des Mädchens verfolgt. Angeblich seien ihre Schreie und ihre Forderung nach Spielzeug ständig hörbar gewesen. Santana sammelte weggeworfene Puppen, die er in den Kanälen fand, um den Geist des Mädchens damit zu beruhigen. Als diese aber nicht wie von ihm erwartet verschwanden, begann er damit, sie zu verstümmeln und als Abschreckung für den Geist in die Bäume zu hängen. Fast 1000 Puppen, teilweise ohne Augen oder Gliedmaßen, hängte er bis zu seinem Tod in die Bäume.


Grutas Tolantongo

Dazu möchte ich eigentlich gar nicht viel sagen ausser: Geht nicht dahin und bucht auf keinen Fall eine Tour mit "Cipactli Tours", denn es war eine einzige Katastrophe. Man versprach uns einen ruhigen und erholsamen Tag in einem Privatpool mit herrlicher Aussicht und klarem Wasser. Was wir bekamen waren tausende Menschen die dicht gedrägt die Treppen hochstürmten, braunes Wasser und Zelte wohin das Auge reicht. Obwohl wir über 4 Stunden gefahren sind, forderten wir unsere beiden Guides auf, uns sofort wieder zurückzufahren. Zu allem Übel war einer der beiden richtig krank. Er hustete ununterbrochen und als er auch noch Schweissausbrüche bekam und sich ständig die Stirn mit einem Tuch abtupfte, war uns wirklich nicht mehr wohl. Ob es sich hierbei um Corona handelte, werden wir ja spätestens in 10 Tagen merken.


Teotihuacán

Der Ausflug zur Sonnen- und Mondpyramide in Teotihuacán verlief glücklicherweise besser. Zwar holte man uns eine Stunde zu spät ab bzw. am falschen Ort, doch die Pyramiden und die Tequillaverkostung waren wirklich spitze. Nebenbei erklärte man uns auch noch was für eine multifunktionale Pflanze der Kaktus ist. Man kann aus ihm Alkohol machen, so etwas ähnliches wie Papier herstellen, man kann die Stacheln als Nadeln benutzen und die Fasern als Faden. Bevor es zurück in die Stadt ging, machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp bei der Basílica de Guadalupe, welche von Millionen von Menschen pro Jahr besucht wird und nach Rom die meistbegangene christliche Pilgerfahrt ist. Ich weiss nicht genau, ob wir einfach richtige Kulturbanausen sind, aber uns hat diese Basilika überhaupt nicht beeindruck. Was uns aber richtig beeindruckt hat, waren die Velofahrer auf der Autobahn. Da wir nicht nur einen gesehen haben sondern wirklich viele, gehen wir davon aus, dass Fahrradfahren auf dem Highway hier völlig normal ist.


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